Wie setzt man seinen Roman?

Du hast einen Roman geschrieben — dazu erst einmal herzlichen Glückwunsch! Das ist eine beeindruckende Leistung! Doch jetzt musst du dir Gedanken machen über all das Beiwerk. Anna Rawe hat einen Artikel geschrieben mit 11 Tipps für die Veröffentlichung deines ersten Romans. Einer davon beschäftigt sich mit dem Schriftsatz. „Schriftsatz“ bedeutet einfach nur, dass der Text deines Romans für den Druck als Buch vorbereitet wird. Professioneller Schriftsatz kann teuer sein. Wenn du gerade dein erstes Buch veröffentlichen möchtest, weißt du vielleicht noch nicht, ob diese Investition sich lohnt.

Wie kann man ein Buch kostenlos setzen?

Jetzt kommt die gute Nachricht: Du kannst dein Buch einfach selbst setzen! Alles, was du dazu brauchst, sind zwei kostenlose Programme und meine Vorlage, die du dir hier herunterladen kannst. Das Programm, mit dem du dein Buch setzen wirst, heißt LaTeX (keine Angst, das ist vollkommen jugendfrei). Dieses Programm hat den großen Vorteil, dass es „Open Source“ ist. Das bedeutet, dass jeder das Programm weiterentwickeln kann. Das haben auch viele Menschen getan. Dadurch gibt es inzwischen nichts mehr, was man mit LaTeX nicht setzen kann. Ich habe damit schon einige naturwissenschaftliche Arbeiten gesetzt — mit verschachtelten mathematischen Formeln, komplexen Tabellen, etc.

Aber so kompliziert musst du es zum Glück gar nicht machen! Also, was musst du tun, um deinen Roman mit LaTeX zu setzen? Um LaTeX auf deinen Computer zu bekommen, benötigst du eine sogenannte TeX-Distribution. MiKTeX ist eine solche Distribution. Du kannst es dir hier herunterladen. Installiere es auf deinem Computer. Nun benötigst du noch einen sogennanten Editor, um deinen Text zu bearbeiten. Der Editor ist das Programm, in das du den Text deines Buches einfügst und mit dem du das Buch gestaltest. Mein Lieblingsprogramm dafür ist TeXstudio, das gibt es hier (einfach auf „Download now“ klicken).

Nachdem du alles installiert hast, öffnest du TeXstudio. Dort klickst du auf Datei>Öffnen und wählst die Datei Roman_in_Latex_Vorlage.tex, die du dir ja vorher hier heruntergeladen hast.

Wie arbeitet man mit einer .tex-Datei?

Im Prinzip kannst du das .tex-Format in allen Schreibprogrammen öffen und bearbeiten. TeXstudio aber erlaubt dir auch das Kompilieren der Datei. „Kompilieren“ bedeutet, dass LaTeX die Kommandos in der .tex Datei verwendet, um ein schönes PDF zu erzeugen. Wie das PDF genau aussieht, bestimmen die Kommandos.

Bevor du allerdings die Datei Roman_in_Latex_Vorlage.tex kompilieren kannst, musst du eine Sache tun: Klick in TeXstudio auf Optionen>TeXstudio konfigurieren…

Konfiguriere TeXstudio

Es öffnet sich ein Fenster. Im linken Bereich klickst du auf den dritten Eintrag, Erzeugen. Klick auf das Auswahlmenü neben Standardcompiler und wähle LuaLaTeX. Klick auf Ok.

Wähle LuaLaTeX als Standardcompiler aus

Und das war’s! Um das Dokument zu kompilieren, drücke F5 auf deiner Tastatur oder klicke in der Werkzeugleiste auf die zwei grünen Dreiecke. Es dauert einen Augenblick, dann erscheint rechts ein Fenster mit dem kompilierten PDF. Herzlichen Glückwunsch, du hast dein erstes Dokument mit LaTeX erzeugt!

Kompiliere das LaTeX-Dokument

Dir wird vielleicht aufgefallen sein, dass zwischen den Kommandos in der .tex-Datei eine ganze Menge grauer Text mit einem oder mehreren Prozentzeichen davor steht. Das sind meine Erklärungen für dich! Die Prozentzeichen sorgen dafür, dass diese Erklärungen nicht mit gesetzt werden. Lies dir alles sorgfältig durch, damit du verstehst, wie du den Text deines eigenen Buches in das Dokument einfügen und gestalten kannst.

Unter dem Hauptfenster in TeXstudio befindet sich ein weiteres Fenster. Dort zeigt TeXstudio an, wie das Kompilieren des Dokumentes vorangeht. Wenn dort roter Text erscheint, hat LaTeX beim Kompilieren einen Fehler in den Kommandos entdeckt. Dort steht dann auch, in welcher Zeile sich der Fehler befindet, damit du ihn leicht finden und korrigieren kannst.

Wo finde ich weitere LaTeX-Kommandos?

Was aber, wenn du etwas in deinem Buch gestalten möchtest, was ich nicht in der Vorlage habe? Die schlichte Antwort: Gib deine Frage einfach bei Google ein. Zum Besipiel: „Wie bekomme ich farbigen Text in LaTeX?“ Die LaTeX-Community ist riesig, vor allem im deutschsprachigen Raum. Darum ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass vorher schon einmal jemand deine Frage in einem Forum gepostet hat. Wenn nicht, melde dich einfach in einem der LaTeX-Foren an und stell deine eigene Frage. Oder schreib deine Frage hier in die Kommentare!

30 Schreibtipps, die dich zu einem besseren Autoren machen

Was ist eine „gute“ Geschichte? Was kann ich tun, damit der Leser bei meiner Geschichte bleibt? Wie schreibt man Charaktere, an die der Leser sich noch lange erinnern wird?

Diese Liste der 30 Schreibtipps, die dich zu einem besseren Autoren machen, beantwortet einige dieser Fragen. Im Laufe der Zeit werde ich sie ausbauen und ergänzen. Teil deine eigenen Schreibtipps in den Kommentaren!

Der Schreibprozess und die Liebe zum Schreiben

  • Du schreibst, weil du Geschichten in dir hast, die du erzählen möchtest.
  • Du schreibst zuallererst, um zu schreiben. Nicht, um gelesen zu werden, das kommt viel später.
  • Dein erster Entwurf wird furchtbar sein. Schreib ihn zu Ende und überarbeite ihn.
  • Hab Geduld! Eine richig gute Geschichte braucht mehrere Monate, manchmal Jahre, um zu reifen und zu dem zu werden, was sie sein kann.
  • Wenn du das Gefühl hast, dass du alles überarbeitet hast, lass deine Geschichte ein, zwei Monate liegen. Du wirst überrascht sein, wie viele Fehler/Plotholes/Ungereimheiten du nach dieser Pause noch entdeckst.
  • Überarbeite deine Geschichte, bis sie richtig gut ist. Und dann, gib sie ab, schicke sie weg! Irgendwann veränderst du nämlich nur noch, statt zu verbessern.
  • Es wird immer jemanden geben, dem deine Geschichte nicht gefällt. Ignorier diese Menschen und konzentrier dich auf diejenigen, die deine Geschichte mögen.
  • Vergiss nie, dass es deine Geschichte ist. Sie bereichert dein Leben.

Schreibtechnik

  • Variiere deine Sätze. Lang oder kurz, einfach oder zusammengesetzt, mit oder ohne Einschübe.
  • Schreibe in einfacher Sprache. Deine Leser sind nicht beeindruckt, wenn du schlaue Wörter benutzt. Auch nicht, wenn du deine Sätze bis zur Unkenntlichkeit verschachtelst. Im schlimmsten Fall unterbricht das den Lesefluss und der Leser versteht nicht mehr, was in deiner Geschichte passiert.
  • verwende Adjektive und Adverbien sehr sparsam. Eines pro Substantiv bzw. Verb ist mehr als genug. Versuche stattdessen, spezifischere Substantive und Verben zu verwenden.
    Beispiele:
    • Statt „Ein großer, dicker Mann“„Ein Kerl von hundertfünfzig Kilo“.
    • Statt „‚Oh nein!‘ sagte sie laut„‚Oh nein!‘ schrie sie.“
      (Adjektive und Adverbien habe ich fettgedruckt markiert).
  • Vermeide Negative. Sie schließen nur eine einzige Sache aus, geben dem Leser aber keine Möglichkeit, sich die Situation bildlich vorzustellen.
    • Statt „Es waren keine Möbel im Raum.“„Der Holzfußboden war mit einer Staubschicht bedeckt, die an jenen Stellen dünner war, wo zuvor Möbel gestanden hatten.“
  • Sei spezifisch! Je genauer du etwas beschreibst, desto lebhafter das Bild im Kopf des Lesers. Beispiele:
    • Statt „Ein Fisch“ „Eine fette Forelle“
    • Statt „Ein Fahrrad“ „Ein klappriges Herrenrad, dessen schicker Ledersattel auffällig neu aussah.“
  • Verwirf die ersten drei Ideen zu allem. Die ersten drei Dinge, die dir einfallen, sind garantiert Klischees, weil du diese Dinge schon tausendmal gesehen, gehört und gelesen hast und sie deshalb in deinem Kopf ganz vorne sind.

Weltenbau / World Building

  • Vermeide „Informations-Lawinen“. Nichts ist langweiliger als seitenweise Erklärungen, wie deine Welt funktioniert. Ich weiß, du willst unbedingt, dass dein Leser sieht und versteht, wie wunderbar diese Welt ist, die du dir ausgedacht hast. Aber führe sie Stück für Stück ein. Gib dem Leser immer nur die Information, die er jetzt gerade braucht.
  • Recherchiere, recherchiere, recherchiere! Welt und Charaktere sollen den Leser einladen, in sie einzutauchen. Das erreichst du, indem du sie so realistisch wie möglich gestaltest. Du wirst (und solltest!) wahrscheinlich nur einen Bruchteil der recherchierten Informationen in der Geschichte verwenden, aber spezifische Begriffe und glaubwürdige Beschreibungen von Abläufen machen deine Geschichte lebendig.
    Beispiele:
    • Deine Geschichte spielt auf einem Piratenschiff. Lerne alles über die unterschiedlichen Arten von Schiffen, die Namen der Bauteile, die Titel und Aufgaben aller Besatzungsmitglieder, etc.
    • Der Planet, auf dem deine Geschichte spielt, hat drei Monde. Was bedeutet das für die Gezeiten? Welche Umlaufbahnen haben sie und wie groß und hell sind sie? Gibt es dadurch öfter eine Sonnenfinsternis, vielleicht täglich? Reicht das Mondlicht einigen Pflanzen, um nachts Photosynthese zu betreiben? Sind mehr Tiere nachtaktiv, weil es nachts recht hell ist? Oder sind die Monde so klein, dass all das keine Rolle spielt? Sind sie aus verschiedenen Mineralien aufgebaut und werden von der Bevölkerung des Planeten als Rohstoffquellen benutzt? Etc, etc…
  • Lass deine Charaktere etwas tun, was dem Leser zeigt, wie die Welt funktioniert, statt einfach zu sagen, wie sie funktioniert.
    Beispiel:
    • Statt „Eine Chemikalie in der Atmosphäre sorgte dafür, dass das Regenwasser in vielen Farben getönt war.“ „Es sah nach Regen aus. Sie musste schnell die Wäsche reinholen, sonst sähe Felix‘ weißes Hemd morgen aus, als hätte ein Einhorn daraufgekotzt.“ (Dieser Satz erfüllt auch gleich noch den Zweck, dem Leser mitzuteilen, dass es in der Welt Einhörner mit Regenbogenkotze gibt. Oder, dass die Protagonistin einen trockenen Humor hat).
  • Deine Welt, so verrückt sie auch ist, ist deinen Charakteren völlig vertraut. Schließlich leben sie in ihr. Sie würden also nicht denken, „Das hellrosa Laub bildet einen schönen Kontrast mit dem tiefdunklen Baumstamm,“ sondern vielleicht nur, „Da steht ein Baum.“ Oder gar nichts, weil sie seit Jahren im selben Haus wohnen und der Baum ihnen nicht mehr auffällt, weil er da schon immer steht. Wenn du etwas einführen willst, was für den Leser ungwohnt ist, für die Charaktere aber völlig normal, hast du zwei Möglichkeiten:
    • Es muss sich ändern („Die heftige Dürre hatte das Laub der Bäume vertrocknen lassen. Der Wald, sonst saftig rosa, war nun vollkommen hellgrau“).
    • Dein Charakter muss es auf eine Weise gebrauchen, die ihn oder sie über die Eigenschaften nachdenken lässt („Sie fragte sich, ob sie einfach ein paar Blätter von einem Baum pflücken und zerreiben konnte, um rosa Farbstoff zu bekommen“).
  • Die Welt existiert unabhängig von den Charakteren. Sie ändert sich und zwingt die Charaktere, darauf zu reagieren (Wetter, Jahreszeiten, Tektonik, etc.). Die Charaktere haben nur einen sehr kleinen Einfluss auf die Welt (soll heißen, sie ).
  • Daran anschließend: Nichts und niemand in der Geschichte kann die Naturgesetze ändern. Wenn eine große Veränderung in der Welt geschieht, muss sie sich im Rahmen der Naturgetze bewegen. Sie muss außerdem einmalig und einschneidend sein und die Charaktere zwingen, darauf zu reagieren. Benutze keine „Wunder“, weil du nicht weißt, wie du sonst die Geschichte weiterbringen sollst. Dann fühlt der Leser sich betrogen, denn er oder sie hat sich in die Welt eingelebt. Wenn du die Welt plötzlich umschmeißt, hat der Leser seine Zeit und Liebe umsonst investiert.

Charaktere

  • Deine Charaktere sollten zuerst interessant sein. Ob sie sympatisch sind, spielt eine viel kleinere Rolle (siehe z. B. Doctor House, Sherlock Holmes wie er von Benedict Cumberbatch gespielt wird, Peggy Olson in Mad Men, etc.)
  • Recherchiere, recherchiere, recherchiere! Hat dein Protagonist etwas, was sie oder ihn von der allgemeinen Bevölkerung abhebt? Dann musst du genau wissen, wie so eine Person lebt und mit welchen täglichen Herausforderungen er oder sie zu kämpfen hat. Das gilt ganz besonders, wenn du über Angehörige von Minderheiten schreibst.
    Beispiele:
    • Deine Protagonistin ist sehr groß. Geht sie leicht gebückt und mit gesenktem Kopf, um kleiner zu wirken? Oder spielt sie seit ihrer Kindheit sehr erfolgreich Basketball, ist dadurch sehr selbstbewusst und dominiert sofort jeden Raum, den sie betritt?
    • Dein Protagonist wurde mit nur einer Hand geboren, arbeitet jedoch erfolgreich als Automechaniker. Wie sieht sein Arbeitsalltag aus, welche Werkzeuge benutzt er wie? Ist er von Natur aus Linkshänder, muss aber vor allem mit rechts arbeiten? Hatte dieses Umtrainieren folgen für seine Psyche?
  • Charakterisiere deine Protagonisten indirekt und mit Hilfe ihrer Persönlichkeit, statt direkt und mit Hilfe ihres Aussehens.
    Beispiele:
    • Statt direkt: „Er war groß und athletisch gebaut“ — indirekt: „Mühelos kletterte er über den hohen Zaun und landete elegant auf der anderen Seite.“ (Dieser Satz erfüllt gleichzeitig noch die Aufgabe, den Charakter als furchtlos, impulsiv oder auch respektlos vor dem Eigentum anderer darzustellen. Welche dieser Eigenschaften es ist, sollte im Laufe der weiteren Geschichte klar werden.)
    • Statt Aussehen: „Sie war sehr gutaussehend.“ — Persönlichkeit: „Sie war immer derjenige im Raum, um die andere sich am schnellsten versammelten.“
  • Bringe nur die Eigenschaften deines Charakters ins Spiel, die in der aktuellen Szene von Bedeutung sind. Vermeide eine ausführliche Beschreibung der Charaktere am Beginn der Geschichte. Für den Leser ist es viel befriedigender, die Charaktere nach und nach kennenzulernen und eigene Schlüsse über deren Persönlichkeit zu ziehen.
  • Alles, was deine Charaktere haben oder können, müssen sie sich verdient haben. Sie mussten Zeit und Mühe investieren und Opfer bringen, um das zu erreichen, was sie haben. Dein Charakter kann nicht alles haben. Aber die Dinge, die sie oder er hat, sollten spezifisch und interessant sein.
    Beispiele:
    • Jemand, der den schwarzen Gürtel in Karate hat, Rettungschwimmer ist und einen Doktortitel in Molekularbiologie hat, hatte wahrscheinlich nie viel Zeit für Freunde und ist darum sozial etwas unbegabt.
    • Jemand mit einem großen Freundeskreis, der um die Welt jettet und bei allen Festivals dabei ist, ist akademisch wahrscheinlich keine riesige Leuchte.
  • Deine Charaktere müssen Schwächen haben. Ja, müssen. Ein Charakter, dem alles sofort gelingt, der immer alles richtig macht und immer im Recht ist, ist langweilig und unrealistisch.
  • Deine Charaktere müssen* sich im Laufe der Geschichte entwickeln. Das kann eine positive oder negative Entwicklung sein.
    Beispiele:
    • Sie lernt etwas, was sie vorher nicht konnte oder wusste. Das ist mühevoll und sie scheitert mehrmals.
    • Er muss sich im Laufe der Geschichte eingestehen, dass sein Selbstbild falsch ist und er an seiner Persönlichkeit arbeiten muss.
    • Sie traut sich etwas, wovor sie am Anfang noch große Angst hatte.
    • Er versteht nun besser, warum eine bestimmte Person so agiert, wie sie agiert. Das führt zur Versöhnung mit einem Feind oder zum Zerwürfnis mit einem Freund.
    • Sie stellt fest, dass das Leben leichter ist, wenn man eine bestimmte Sache tut oder lässt. Dadurch wird sie charakterlich, intelektuell oder körperlich schwächer.
      (*es gibt Ausnahmen. Wenn du zum Beispiel eine lange Reihe von Romanen mit derselben Hauptperson schreibst, darf er oder sie unverändert bleiben. Siehe z.B. Sherlock Holmes, Hercule Poirot, James Bond, etc. )
  • Der Tod eines Charakters muss Konsequenzen für die Geschichte und die anderen Charaktere haben. Führe einen Charakter nicht nur dazu ein, damit du ihn oder sie später als „Schocker“ umbringen kannst.
  • Umgekehrt: Hat ein Charakter seinen Zweck in der Geschichte erfüllt, lass sie oder ihn sterben, eben weil es die anderen Charaktere zwingt, ohne diese Person weiterzukommen.
    Beispiel: Sirius Black und Albus Dumbledore mussten sterben, damit Harry Potter gezwungen ist, erwachsen zu werden und seine Aufgabe aus eigener Kraft zu beenden.
  • Der Tod eines Charakters sollte unerwartet und für die anderen Charaktere (und damit den Leser) „schrecklich“ sein. Wenn ein Charaktertod vorhersehbar ist, dann müssen die Konsequenzen unvorhergesehen sein.
    Beispiel: Nach dem Tod ihres Großvaters, der lange krank war, kommt ein Testament ans Tageslicht, nachdem ihre Mutter nicht ihre wirkliche Mutter zu sein scheint.

Muss man alle Schreibregeln beachten?

So, nun habe ich dir diese Mammutliste um die Ohren gehauen. Wenn du eine oder mehrere oder alle Schreibregeln doof findest, dann ignorier sie. Nichts von alledem ist in Stein gemeißelt. Das Schreiben soll dir vor allem Freude machen. Wenn du deine Geschichte allerdings publizieren möchtest, solltest du dich zumindest grob an diesen Regeln orientieren.

Habe ich Schreibtipps vergessen? Hast du einen Tipp, der dir beim Schreiben guter Geschichten hilft? Schreib ihn in die Kommentare!

Liebe deine Prokrastination

Aufschieberitis, innerer Schweinehund, Prokrastination. Jeder hat mal mit ihnen zu kämpfen. Für kreativ tätige Menschen können sie jedoch besonders zur Qual werden. Dabei wollen sie uns einfach nur beschützen! Darum funktioniert es meist nicht, sie mit Gewalt zu unterdücken. Hier sind ein paar Ideen, wie du die Prokrastination sanft besiegst.

Dein Beschützer: der innere Schweinehund

Du hast einen Schreibtag geplant. Oder eine Schreibstunde. Aber dann fällt dir etwas ein, was du unbedingt vorher erledigen musst. Dein Schreibtisch ist total staubig, das Brot ist fast alle und wolltest du nicht mal wieder einen Kuchen backen? Außerdem bist du ja noch so müde von deinem stressigen Tag gestern.

Gerade dann, wenn du wirklich loslegen willst mit dem Schreiben, wenn du dich selbst davon überzeugt hast, dass du es diesmal ganz ernst meinst, bringt dein Hirn tausend Ideen, warum du jetzt gerade doch lieber etwas anderes tun solltest. Warum tut dein Gehirn dir das an?

Meistens ist es Angst. Da ist die ziemlich bewusste Angst vor dem inneren Kritiker. „Das wird doch wieder total stümperhaft,“ sagt er zu dir, sobald deine Finger auf den Tasten liegen. „Du brauchst es gar nicht erst versuchen, du wirst nie so gut sein wie [Name des Liebleingsautors einfügen].“ Oder „Selbst, wenn es halbwegs lesbar wird, einen Agenten oder Verlag findest du doch nicht!“ Und so weiter. Der innere Kritiker ist ein Arschloch. Sorry, es ist einfach so.

Und dann gibt es noch die viel diffusere Angst, dass dein Leben sich radikal ändern könnte. Stell dir vor, du veröffentlichst deine Geschichte – wie und wo auch immer. Und dann liest sie jemand. Und hat eine Meinung darüber. Jetzt bist du „sichtbar“, da draußen in der großen, kalten Welt. Menschen, die du niemals getroffen hast, können sich eine Meinung über dich anmaßen. Und was ist, wenn du Erfolg hast, dein Buch bei einem Verlag unterbringen kannst? Dann musst du vielleicht irgendwo aus deinem Buch lesen. Bei einer Messe auftreten. Dann erwarten deine Leser womöglich ein zweites Buch!

All das sind tiefgreifende Veränderungen in deinem Leben. Und dein Hirn denkt sich, „Wieso soll ich Veränderung zulassen? Ist doch alles gut, wie es jetzt ist. Veränderungen bringen womöglich Gefahren! Da hab ich keinen Bock drauf.“ Darum versucht dein Gehirn, dich auszutricksen. Es lebt immer noch ein bisschen nach Höhlenmenschenstandards. So lange es ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen und keine tödlichen Feinde hat, will es alles so behalten, wie es ist. Wenn du jetzt von außen versuchst, irgendetwas zu tun, was ein Leben verändert, wirft den Gehirn dir einen Stock zwischen die Füße. Nimm es ihm nicht übel, es will dich nur vor Gefahren schützen!

Den inneren Kritiker zum Schweigen bringen

Wie kriegt man diese fiese Type still? Da gibt es einen kleinen, aber wirkungsvollen Trick. Stell die Schriftfarbe in deinem Schreibprogramm auf weiß. Was dein innerer Kritiker nicht sieht, kann er oder sie nicht miesmachen. Klar, du wirst Tippfehler machen, aber die kannst du später korrigieren. Wenn du bemerkst, dass du ein Wort derart verhunzt hast, dass du später nicht mehr weißt, was es bedeuten sollte, mach ein paar Leerzeichen und beginne das Wort von vorne. Falls Du ein Programm benutzt, bei dem man die Schriftfarbe nicht ändern kann, schalte den Monitor aus oder lege ein Tuch darüber. Schreib, was du denkst, nicht, was du liest!

Zwang zur Kreativität?

Was aber, wenn du es gar nicht erst bist an die Tastatur schaffst? Welche selbsterstörerischen Gedanken du auch immer hast, die dich von Schreiben abhalten, du kannst sie abschalten. Mit etwas Übung und ganz wenig Zeit.

Viele von uns machen sich selbst fertig, wenn sie nicht schreiben. In unserem Kopf beschimpfen wir uns als faul, als unkreativ, als Versager. So versuchen wir, uns selbst an die Tastatur zu prügeln und ein paar hundert Worte aus uns herauszupressen. Aber unter diesem Zwang wird das, was wir schreiben, nicht gut. Oder wir haben erst gar keine Idee, was wir überhaupt schreiben können.

Dann haben wir nur noch mehr Grund, uns selbst zu verfluchen. Und unser Gehirn bekommt das Signal „Wenn ich zu schreiben versuche, fühle ich mich Scheiße“. Worauf dein Gehirn antwortet, „Habe ich es doch gewusst, Schreiben birgt Gefahren! Aber keine Angst, in Zukunft gebe ich mir noch mehr Mühe, dich davon abzuhalten.“

Auf diese Weise treibst du dich selbst immer tiefer in die Spirale der Prokrastination. Bist du das kreative Schreiben aufgibst, vielleicht für ein paar Jahre, vielleicht aber auch für immer.

Entdecke die Liebe zum kreativen Schreiben neu

Was ist also der Trick, deinen inneren Schweinehund liebevoll zu besänftigen, statt ihn zu prügeln? Betrachte ihn als einen echten Hund. Oder eine Katze. Oder einen Drachen. Oder dein Krafttier. Ganz egal, Hauptsache, du begegnest ihm liebevoll. Eine Katze bekommt man stubenrein, indem man sie immer wieder aufs Katzenklo setzt, wenn sie irgendwo hinmacht. Genauso musst du auch deinen inneren Schweinehund langsam (wieder) ans Schreiben gewöhnen. Ihm zeigen, dass kreatives Schreiben was ganz normales, harmloses ist.

Das kannst du tun, indem du jeden Tag nur ganz kurz, nur zehn Minuten lang schreibst. Sag deinem Gehirn, „Hey, ich schreibe jetzt was. Aber es wird mein Leben nicht verändern, es sind ja nur zehn Minuten.“ Suche dir Schreibübungen aus, die banal sind. Nimm dir nicht vor, jetzt in diesen zehn Minuten die erste Szene deines Familienepos zu schreiben, das du schon zwölf Jahre lang planst. Nein, schreib was Unbedeutendes.

Schreib eine Liste. Schreib zehn Minuten lang alle Worte auf, die du doof findest. Morgen schreibst du dann zehn Minuten lang alle Worte auf, die du schön findest. Am Tag danach denkst du dir Sachen aus, die jemand auf dem Dachboden seiner Oma findet. Und so weiter. Demnächst blogge ich mal eine Liste mit zehn-Minuten-Schreibübungen.

Schreibübung: Dein innerer Kritiker — die Origin-Story

Unser mieser, fieser innerer Kritiker ernährt sich von unseren eigenen Traumata. Das können große Dinge sein, die dir in der Kindheit passiert sind und dich schon immer belasten. Es kann aber auch etwas ganz kleines sein, woran du dich jetzt gerade kaum erinnerst. Wovon dir gar nicht bewusst ist, dass es deinen inneren Kritiker nährt.

Komme ihm auf die Schliche! Hier ist eine Übung, die dir dabei hilft: Stell dir vor, dein innerer Kritiker ist ein kleiner Dämon, der in einer Firma von inneren Kritikern arbeitet. Er muss täglich ein bestimmtes Pensum Leid und daraus resultierende Prokrastination bei dir erzeugen, sonst kriegt er kein Weihnachtsgeld. Dieser Dämon hat aber gerade erst seine Lehre beendet und du bist erst seit kurzem sein Klient. Sein Vorgänger ist in Rente. Dieser Vorgänger weiß alles über dich. Netterweise schreibt der Renter dem jungen Dämon einen Brief, in dem er ihm genau erklärt, was tief in dir wütet und dich ausbremst.

Der Brief beginnt so:
„Lieber [Name des Jungdämonen einfügen],
„Es ist ungemein wichtig, dass du [deinen Namen einfügen] vom Schreiben abhälst. Am besten funktioniert das, indem du ihn/sie daran erinnerst, wie…“

Den Rest schreibst du! Stelle dir auch hier einen Timer für zehn Minuten. Es ist wichtig, dass du nicht großartig nachdenkst, sondern einfach drauflostippst oder kritzelst. Beim Schreiben kommt viel mehr aus dem Unterbewusstsein hoch, als beim Nachdenken. In einem folgenden Blog werde ich mal meinen eigenen „Dämonenbrief“ veröffentlichen. Ich war wirklich überrascht, was ich über mich gelernt habe!

Fazit: Liebe und Geduld machen dich zum Autoren

Denk immer daran: dein innerer Schweinehund will dich vor einer imaginären Gefahr bewahren. Zeige ihm langsam und geduldig, dass er sich vor dem Schreiben nicht zu fürchten braucht.