ÜberListe deinen inneren Schweinehund

Du willst einen Roman schreiben. Oder eine Kurzgeschichte. Oder wenigstens eine Szene. Doch kaum setzt du dich an die Tastatur, meldet sich diese gemeine Stimme in deinem Kopf: dein innerer Kritiker. „Du kannst doch gar nicht richtig schreiben!“ ruft er. Dein innerer Schweinehund gesellt sich dazu, um dich zu trösten. „Ist doch nicht so schlimm,“ sagt er. „Du musst dich erstmal warmmachen. Guck doch ein bisschen auf Reddit oder chatte mit den Leuten auf Schreibnacht. Danach sehen wir weiter.“

Und bevor du dich versiehst, ist es zu spät, noch mit dem Schreiben anzufangen. Dann eben morgen, nicht wahr…

Du brauchst einen Weg aus dieser Spirale von gnadenloser Selbstkritik und Aufschieberitis. Wie wäre es denn mit einer Schreibübung, die so einfach und bedeutungslos ist, dass dein innerer Kritiker sich nicht darum kümmert? Die aber trotzdem deine „Schreibmuskeln“ trainiert und dem inneren Schweinehund zeigt, dass Schreiben ganz einfach ist und gar nicht viel Zeit braucht?

Die Liste als Schreibübung

Eine Liste schreiben – klingt erstmal sinnlos. Doch mit ein bisschen Fantasie wird daraus nicht nur eine Schreibübung sondern sogar eine kreative Schreibübung. Und das geht so: Weiter unten findest du meine Listen-Liste mit möglichen Themen. Such dir ein Thema aus und stelle dir einen Timer für 10 Minuten. In diesen 10 Minuten schreibst du einfach drauflos, ohne weitere Vorgaben und Zwänge. Es gibt nur zwei Regeln: Denke vor dem Schreiben nicht darüber nach, was du schreiben könntest! Suche dir einfach ein Thema aus und leg sofort los. Und: setze den Stift nicht ab bzw. höre nicht auf zu tippen. Wenn dir nichts einfällt, schreib dasselbe Wort immer wieder oder bilde zusammengesetzte Wörter damit.

Hier ist sie also, die Listen-Liste:

  • Dinge, die man für einen Trip in die Unterwelt braucht
  • Dinge, die jemand auf dem Dachboden seiner Oma findet
  • Wörter, die du liebst
  • Wörter, die du hasst
  • Bücher, die du noch lesen willst
  • imaginäre Filmtitel, in denen das Wort „Zombie“ vorkommt
  • Dinge, die ein Auftragskiller in seinem Rucksack hat
  • Namen für Charaktere in einer imaginären Komödie
  • Namen für Charaktere in einem imaginären Familienepos
  • heutzutage selbstverständliche Dinge, die in 100 Jahren (wahrscheinlich) niemand mehr kennt
  • imaginäre Wörter für sehr große Zahlen (á la „Fantastillionen“)
  • Dinge, die dein Lieblingscharakter (existierend oder dein OC) in seiner/ihrer Handtasche/Umhängetasche, etc. hat
  • Dinge, die ein genialer Wissenschaftler bei Kaufland gestohlen hat

Du kannst dir natürlich auch eigene Listen ausdenken oder die Punkte auf dieser Liste nach deinem Geschmack ändern. Du wirst bemerken, dass du zuerst die offensichtlichen Dinge aufschreibst. Für den Serienkiller also so etwas wie „Pistole, Schalldämpfer, Fernglas“. Aber dann wird deine Fantasie sich einschalten. Du wirst dem Serienkiller Dinge wie „eine halbe Panflöte“ oder „herausgerissene Seite einer Doktorarbeit im Fach Physik“ in den Rucksack stecken. Und dann werden automatisch Geschichten in deinem Kopf entstehen. Enthielt die Doktorarbeit vielleicht Informationen über die Ballistik von Pistolenkugeln? Oder war es die Doktorarbeit der ersten Liebe des Serienkillers, die tragisch endete? Enthalten die Röhrchen der Panflöte ein schnell wirkendes, nicht nachweisbares Gift? Oder ist die Flöte ein Andenken an seinen Bruder, der in Lateinamerika mit dem Flugzeug abstürzte?

Sei spezifisch und lass deine Fantasie frei!

Das bringt mich zum nächsten Punkt: Sei spezifisch! Schreibe nicht „Tisch“ für die Liste der Gegenstände auf Omas Dachboden. Schreibe „Sekretär aus Walnussholz mit einer Schublade, die sich nicht öffnen lässt“. Sich solche Dinge auszudenken, erfordert etwas Übung. Aber je mehr Listen du schreibst, umso verrücktere, spezifischere Dinge werden dir einfallen.

Diese Schreibübung kannst du einmal täglich machen, oder auch mehrmals am Tag. Du kannst sie auch immer machen, bevor du „richtig“ anfängst, zu schreiben, um deine Schreibmuskeln aufzuwärmen und deine Fantasie anzukurbeln. Und wer weiß, vielleicht benutzt du einen Namen, ein Wort oder einen Gegenstand von einer deiner Listen in deiner nächsten Geschichte. Oder vielleicht ist etwas davon genau die zündende Idee, die du brauchtest, um deiner Schreibblockade zu entkommen.

So banal eine Liste auch erscheinen mag, sie kann viel für dich als Autoren tun. Schreib deine eigenen Ideen für Listen in die Kommentare!