Was bedeutet Show don't tell

Was bedeutet „Show don’t tell“?

In fast jedem Buch, Podcast oder Blog übers kreative Schreiben findet man den Rat „Show don’t tell“. Meist bezieht er sich auf Adjektive. Beispielsweise liest man oft, „Adjektive sind Totholz, schneide sie raus!“ Genauso stiefmütterlich behanden die Ratgeber Adverbien. Aber warum haut man Autoren ständig diese Regel um die Ohren?

Zunächst frischen wir einmal unser Schulwissen auf.

Adjektive

Adjektive sind „Eigenschaftswörter“. Das bedeutet, dass sie beschreiben, wie etwas ist. Beispiele: „Ein großer Mann“, „Das Wasser ist schmutzig

Das „etwas“ kann eine Person (Mann) sein, aber auch ein Gegenstand (Wasser). Allerdings können Adjektive auch etwas Abstraktes beschreiben. Zum Beispiel ein Gefühl. Und da stoßen wir auch schon auf ein Problem. Aber dazu gleich mehr!

Adverbien

Auch Adverbien beschreiben Eigenschaften. Allerdings die Eigenschaften von Verben. Anders ausgedrückt: Adverbien beschreiben, wie jemand etwas tut. Oder wie ein Gegenstand etwas tut. Beispiele: „‚Warte auf mich,‘ sagte sie schüchtern„, „Die Tür quietsche laut.“

Aber ich muss doch sagen, wie etwas ist!

Obwohl Adjektive und Adverbien so schön beschreiben, wie Dinge sind, soll man sie nicht verwenden? Warum denn bloß? Wie soll ich dem Leser denn sonst ein Gefühl für die Szene geben?

Zunächst einmal kann ich dich beruhigen: Natürlich darfst du Adjektive und Adverbien verwenden. ABER: Mache sie nicht zu deinen Sklaven! Bürde ihnen nicht die gesamte Last der Szene auf.

Was bedeutet Show don't tell

Adjektive alleine sind steril

Ich schreibe gleich mal einen kurzen Absatz. Darin werde ich genau das tun: Die Adjektive die ganze Arbeit machen lassen. Los geht’s:

Mit ernstem, melancholischen Blick schaute Yannis aus seinem kleinen, schmutzigen Fenster. Er konnte kaum den trüben, verdreckten Fluss sehen, der hinter seinem kleinen, ärmlichen Haus entlangkroch.

Hat dieser kurze Absatz dir ein Gefühl für die Szene gegeben? Wahrscheinlich hat er das, jedoch auf einer intellektuellen Ebene. Das Gefühl für die Szene musst du dir aus diesen sterilen Begriffen selbst ableiten. Auch ein Bild davon, wie es in Yannis‘ Umgebung aussieht, musst sich dein Gehirn erst erarbeiten.

Das Problem ist, dass die meisten Adjektive mehrere Dinge bedeuten können. „Schmutzig“ kann heißen, dass etwas dreckig ist. Genausogut kann es bedeuten, dass etwas anrüchig ist. „Verdreckt“ kann heißen, dass etwas mit Schlamm beschmiert ist. Aber auch, dass giftige Stoffe da sind, wo sie nicht hingehören. Unser Gehirn muss bei Adjektiven also erst einmal alle möglichen Bedeutungen abrufen. Am Ende muss es sich für eine davon entscheiden. Welche das ist, erschließt sich natürlich aus dem Zusammenhang. Aber unser Hirn macht diese Arbeit automatisch, wenn es einem Adjektiv begegnet. Du kannst es als Autor auch mit noch so vielen Nebeninfos nicht daran hindern. „Das erschließt sich doch aus dem Zusammenhang!“ ist also keine Ausrede dafür, deine Geschichte mit Adjektiven vollzuknallen.

Das Gehirn liebt Emotionen

Ich schreibe das Beispiel mal um:

Yannis musste sich bücken, um aus dem winzigen Fenster schauen zu können. Doch er sah ohnehin wenig, denn eine immerwährende Rußschicht lag von außen auf dem Glas. Das hatte Yannis der Fabrik zu verdanken. Sie hatte auch den Fluss hinter seinem Häuschen in einen langsam dahinkriechenden Abwasserkanal verwandelt. Yannis‘ Magen zog sich zusammen beim Gedanken, wie er als Kind in diesem Fluss geangelt hatte. Jetzt lebte dort nichts mehr.

Auf diese Weise formuliert bekommt der Leser viel mehr emotionale Informationen. Statt den Leser aufzufordern, „stell dir mal ein schmutziges Fenster vor“, beschreibe ich, warum das Fenster schmutzig ist. „Rußschicht“ und „Fabrik“ sind viel konkretere Informationen als „schmutzig“. Du erlaubst dem Leser damit, sich ein Bild vor seinem inneren Auge zu machen. Außerdem lädst du die Leser ein, eigene emotionale Informationen mit deiner Geschichte zu verweben. Eine Fabrik, die Ruß in die Luft schleudert und Flüsse unbewohnbar macht, ruft bei jedem unwillkürlich tief verwurzelte Emotionen hervor. Die bloßen Worte „schmutzig“, „trüb“ und „verdreckt“ tun das nicht.

Trotzdem verwende ich auch in der „besseren“ Version Adjektive (winzig, immerwährend) und Adverbien (langsam).

Show don’t tell!

Hier haben wir also ein klassisches Beispiel für diesen kryptischen Rat, den Autoren immer wieder bekommen: Show, don’t tell. Statt also mit einem Adjektiv zu sagen, wie etwas ist, beschreibst du die Umstände, die zu diesen Eigenschaften führten. Eben, weil du dann deinen Lesern erlaubst, Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben beim Lesen mit einzubringen. Emotionale Reaktionen rufen unmittelbar ein Bild in unseren Köpfen hervor.

Dadurch wird „Show, don’t tell“ zu einem wichtigen Werkzeug, wenn die Leserin sich an deine Geschichte erinnern soll. Hast du ihr lauter abstrakte Adjektive gegeben und ihr Hirn intelektuell arbeiten lassen, wird ihr die Geschichte trocken und distanziert vorkommen. Erlaubst du ihr aber, eigenen Erfahrungen zu verarbeiten und Emotionen zu erleben, wird sie tief in die Geschichte eintauchen.

Wo ist das Problem bei Adverbien?

Ähnliches wie für Adjektive gilt für Adverbien. Auch sie drücken Dingen und Charakteren einen abstrakten Stempel auf. Dadurch machen sie dem Leserhirn ebenfalls zu viel Arbeit.

Mal ein Beispiel: „Ich wollte auch gerne mitkommen,“ sagte sie traurig. Das Adverb hier ist „traurig„. Doch woher weiß der Erzähler, dass der Charakter den Satz auf eine traurige Weise sagt? Das verrät er uns leider nicht. Die Leserin muss jetzt aus ihrer Erinnerung selbst hervorkramen, wie eine traurige Person aussieht und spricht. Denn du, lieber Autor, hast uns ja nur einen grauen Blob mit der Aufschrift „traurig“ gegeben!

Stattdessen könnte man schreiben: Mit gesenktem Kopf und leiser Stimme sagte sie, „Ich wollte auch gerne mitkommen.“ Diese Infos reichen völlig, damit es beim Leser sofort „Klick“ macht. Weil er die Situation vor sich sieht. Dadurch interpretiert sein auf Emotionen gedrilltes Hirn sofort, wie es der Sprecherin geht.

Show don’t tell ist gut fürs Hirn

Kurzum: Gibt dem Leser alle Infos, die er braucht, um die Situation selbst einschätzen zu können! Die Fähigkeit, Emotionen anderer aufgrund des Blicks, der Körperhaltung und der Stimme zu interpretieren haben wir Menschen schon viel, viel länger als die Worte, die diese Emotionen beschreiben. Diese Fähigkeit sitzt also viel tiefer im Gehirn und „funktioniert“ viel schneller als das Interpretieren von Wortbedeutungen.

Wie strukturiert man einen Roman?

Um deinen Roman so zu planen, dass er gute Chancen bei den Lesern oder sogar einem Verlag hat, musst du einige Dinge beachten. Hier gebe ich dir einen Überblick über den Aufbau eines „guten“ Romans.

Ob du dieser Struktur folgst, ist natürlich vollkommen dir überlassen. Doch ein Leser (oder Zuschauer, denn Filme folgen demselben Schema) erwarten diese Struktur. Nicht bewusst, natürlich. Aber wir alle haben unglaublich viele Geschichten gelesen, gesehen und gehört, die auf diese Weise aufgebaut waren. Darum sind wir unzufrieden und fühlen, dass etwas „fehlt“, wenn eine Geschichte zu sehr von dieser Struktur abweicht.

Ein Wort der Warnung: Dieser Artikel enthält Spoiler zu „Harry Potter and the Philosopher’s Stone“ (J.K.Rowling), „Turtles All the Way Down“ (John Green) und „Mr. Penumbra’s 24-Hour Bookstore“ (Robin Sloan).

Aber genug der Vorrede, hier ist die Struktur einer guten Geschichte in ganzen drei Worten:

Aufmacher, Steigerung und Lösung

Diese drei Bestandteile braucht jeder Roman. Der Aufmacher sollte ungefähr das erste Viertel des Romans umfassen. Die Steigerung macht die Hälfte des Umfanges der Geschichte aus. Die Lösung erstreckt sich dann über das letzte Viertel. Doch was bedeuten diese drei Worte eigentlich? Schauen wir uns das einmal genauer an:

Der Aufmacher

Der Aufmacher kommt, wie der Name schon vermuten lässt, an den Anfang des Romans. Man könnte ihn auch „Köder“ oder „Fanghaken“ nennen, denn er soll den Leser in den Bann der Geschichte ziehen. Der Aufmacher hat eine unglaublich wichtige Aufgabe: den Leser davon zu überzeugen, dass deine Geschichte lesenswert ist.

Wie schafft man das? Indem man ein interessantes Problem in den Aufmacher packt. Und zwar am besten gleich in den ersten Satz.

Beispiel: Harry Potter

Nehmen wir als Beispiel mal den ersten Satz aus „Harry Potter and the Philosopher’s Stone“:
Mr and Mrs Dursley of number four, Privet Drive, were proud to say that they were perfectly normal, thank you very much.
Die Dursleys sind also ganz normale Leute und wollen auch gerne, dass das so bleibt. Die Art, wie dieser Satz formuliert ist, lässt den Leser sofort vermuten, dass das Schicksal den Dursleys diesen Gefallen leider nicht tun wird. Sofort ist man neugierig, welche ungewöhnlichen Ereignisse denn den wundervoll normalen Alltag der Dursleys durchbrechen wird.

In diesem Artikel benutze ich den ersten Band von „Harry Potter“ als Beispiel für eine Geschichte mit einem betont externen Genre – also ein Genre, in dem die Handlung das wichtigste ist. Über Genres schreibe ich bald auch ausführlicher.

Beispiel: Turtles All the Way Down

Der erste Satz aus „Turtles All the Way Down“ von John Green geht so:
At the time I first realized I might be fictional, my weekdays were spent at a publicly funded institution on the north side of Indianapolis called White River High School, were I was required to eat lunch at a particular time
beteween 12:37 p.m. and 1:14 p.m.by forces so much greater than myself that I couldn’t even begin to indentify them.
Der erste Gedanke scheint sehr merkwürdig. Warum sollte die Protagonistin glauben, sie sei nicht echt? Der Leser ist neugierig und liest weiter.

„Turtles All the Way Down“ soll mein Beispiel für ein Buch sein, in dem das interne Genre eine große Rolle spielt. Bei internen Genres steht nicht die Handlung, sondern die persönliche Entwicklung des Protagonisten im Vordergrund.

Der Aufmacher zeigt, wovon das Buch handelt

Der Aufmacher stellt also den zentralen Konflikt der Geschichte vor und enthält das auslösende Ereignis (dazu schreibe ich auch bald noch mehr). Im ersten Kapitel von Harry Potter wird dem Leser klar, dass es eine Welt gibt, die neben der unseren existiert und dass Harry zu dieser wunderbaren Welt gehört – was seinem Onkel und seiner Tante so gar nichts in den Kram passt. Außerdem wird im ersten Kapitel auch gleich der Antagonist der Geschichte vorgestellt: Lord Voldemort. Dass er gleich zu Beginn erwähnt wird, zeigt dem Leser, dass er noch eine wichtige Rolle spielen wird. Damit hat das erste Kapitel die gesamte Handlung des Buches vorbereitet.

Im ersten Kapitel von „Turtles All the Way Down“ wird dem Leser schnell klar, dass es Aza Holmes nicht gut geht. Ihre Zwangstörung bestimmt ihr gesamtes Denken und Handeln. Und zwar so sehr, dass sie kaum mitbekommt, wie ihre Freunde über den verschwundenen Mann und die Belohnung von Einhundertausend Dollar reden. Und so wird auch im ersten Kapitel dieses Buches die gesamte Geschichte vorbereitet.

Nur so am Rande: Die allermeisten Geschichten haben sowohl einen externen als auch einen internen Konflikt.
Der interne Konflikt in „Harry Potter“ ist, dass Harry akzeptieren muss, dass er viel mehr ist, als er immer dachte. Er muss seinen Platz in der Welt der Zauberer finden.
Der externe Konflikt in “ Turtles All the Way Down “ ist der verschwundene Mann.

Es gibt allerdings auch Geschichten, vor allem lange Serien, in denen es kaum bis gar keinen internen Konflikt gibt. Siehe zum Beispiel Sherlock Holmes, die älteren James Bond-Filme, oder Hercule Poirot.

Zur Zusammenfassung: Der Aufmacher soll den Hauptkonflikt der Geschichte vorstellen und das auslösende Ereignis enthalten. Beide müssen interessant sein, damit der Leser wissen möchte, wie es weitergeht.

Die Steigerung

Dies ist der Mittelteil der Geschichte. Hier versucht der/die Protaginist(in), den internen und/oder externen Hauptkonflikt zu lösen. Schauen wir uns die beiden Hauptkonflikte einmal genauer an:

Der interne Konflikt

Der Protagonist muss ein Problem lösen, dass durch sein Selbstbild oder prägende Charaktereigenschaften verursacht wird.
Harry Potter muss lernen, ein Zauberer zu sein und sich in der Zauberwelt zurechtzufinden.
Aza hingegen muss lernen, trotz ihrer Zwangsstörung körperliche Nähe zuzulassen und ein „normales“ Leben zu führen.

Der externe Konflikt

Die Protagonistin wird vor eine „äußere“, also auch für andere Menschen sichtbare Aufgabe gestellt, die sie lösen muss.
Harry muss Voldemort daran hindern, den Stein der Weisen in die Hände zu bekommen.
Aza muss den verschwundenen Mann finden, um die Belohnung zu bekommen.

Hindernisse prägen die Steigerung

Die Protagonistin macht sich also auf, die gestellte Aufgabe – intern und extern – zu lösen. Dabei scheitert sie allerdings mehrere Male. Das Scheitern kann durch äußere Umstände verursacht werden (Ein riesiger, dreiköpfiger Hund schneidet den Weg zum Stein der Weisen ab). Es kann aber auch dadurch verursacht werden, dass die Protagonistin ihren inneren Konflikt auf die falsche Weise zu lösen versucht (Aza ignoriert ihre Therapeutin und nimmt ihre Medikamente nich regelmäßig).

Wichtig ist der Versuch-und-Irrtum-Zyklus. Der Protagonist versucht, den Konflikt auf eine bestimmte Weise zu lösen und scheitert. Er versucht es auf eine andere Weise und scheitert wieder. Er probiert vielleicht auch einen dritten Anlauf und scheitert erneut.

Besipiel „Harry Potter“: Hier gibt es einige deutliche Versuch-und-Irrtum-Zyklen:

  • Harry will Recherchen anstellen über Nicholas Flamel, wir aber abgelenkt von seiner Faszination mit dem Spiegel Nerhegeb.
  • Quirrell benimmt sich verdächtig, doch Harry will sich nicht mehr in Dinge einmischen, seit ein nächtliches Abenteuer ihn viele Hauspunkte gekostet hat
  • Harry, Ron und Hermine interpretieren Snape’s Verhalten und versuchen, Schlüsse daraus zu ziehen über dessen finstere Pläne. Zum Schluss stellt sich heraus, dass sie sich sehr in Snape getäuscht haben.

Beispiel „Turtles All the Way Down“: Hier sind die Versuch-und-Irrtum-Zyklen viel kürzer, aber auch viel zahlreicher:

  • Aza möchte eine Beziehung führen mit Davis, aber ihre panische Angst vor Bakterien und ihre Angst, dass Davis sie deswegen zu merkwürdig findet, um mit ihr zusammen sein zu wollen, stören die Romantik immer wieder.
  • Aza möchte mit ihrer Zwangstörung leben lernen, doch ihre zwanghaften Gedanken lenken sie ab von dem, was ihre Therapeutin sagt.
  • Aza ist besessen von der Idee ihres „Selbst“ und hat große Angst davor, dieses Selbst durch Medikamente zu verändern. Darum nimmt sie ihre Medikamente für die Zwangsstörung oft nicht. Dadurch verschlimmern sich ihre zwanghaften Gedanken und sie gleitet immer tiefer in die Spirale ab.

Aus der Verzeweiflung erwächst der Held

Am Ende der Steigerung steht die Verzweiflung. Der Protagonist wird zum Handeln gezwungen, weil sonst etwas Schreckliches passiert: Harry erfährt, dass Voldemort nun endlich weiß, wie er an den Stein der Weisen herankommen kann.
Aza kommt nach einem Unfall ins Krankenhaus. Ihre große Angst vor Krankenhauskeimen führt dazu, dass sie Desinfektionsmittel trinkt und damit ihr Leben gefährdet.

Zusammenfassung: Innerhalb der Steigerung versucht der Protagonist, den Hauptkonflikt zu lösen, scheitert aber immer wieder. Am Ende steht er vor der Verzweiflung und wird dadurch zum richtigen Handeln gezwungen.

Die Lösung

Am Ende des Buches muss der Protagonist beide Konflikte lösen.

Die Lösung des internen Konfliktes in den meisten Geschichten lässt sich oft ganz einfach zusammenfassen: Sei dir selbst treu und akzeptiere Hilfe, statt deine Probleme zu verleugnen.
Harry nimmt seine Identität als Zauberer vollkommen an und schult seine Fähigkeiten (er hätte auch vor Voldemort flüchten und sich für immer verstecken können).
Aza wird ihre Zwangsstörung niemals ganz überwinden, doch sie kann lernen, mit ihr zu leben. Sie nimmt ihre Therapie ernster und nimmt regelmäßig ihre Medikamente.

Die Lösung des externen Konflikts ist meist von der Lösung des internen Konflikts abhängig.
Weil Harry seine Identität als Zauberer vollkommen angenommen hat und seine Zauberkunst geschult hat, kann er sich Voldemort stellen.
Azas Therapie ermöglicht es ihr, wieder mit der Welt zu interagieren. Dadurch findet sie heraus, wo der verschwundene Mann sein könnte.

Überraschend und unausweichlich

Die Lösung des externen Konflikts liegt darin, eine zündende Idee zu haben. Und jetzt kommt das Schwierigste, was eine Geschichte aber unglaublich befriedigend machen kann: Die Lösung des externen Konflikts sollte überraschend, aber unausweichlich sein. Was bedeudet das? Hier mal zwei Beispiele:

Harry sah am Ende im Spiegel Nerhegeb, dass der Stein der Weisen in seiner Tasche ist. Das ist überraschend. Aber es ist auch unausweichlich, nachdem sowohl der magische Spiegel Nerhegeb als auch Harrys verzweifelter Wunsch, den Stein vor Voldemort zu retten, vorher in der Geschichte eingeführt wurden.

Noch ein Buch mit starkem externem Konflikt: „Mr. Penumbra’s 24-Hour Book Store“ von Robin Sloan. Die Nachricht, nach der alle so verzweifelt suchten, war in den Lettern des Bleisatzes der Schriftart „Gerritszoon“ versteckt. Das war überraschend, aber unausweichlich, da es in der Geschichte immer wieder um alte Bücher ging, die in dieser Schriftart gesetzt waren.

Das Geheimnis einer befriedigenden Auflösung des externen Konfliktes ist also: Die Protagonistin sammelt im Laufe der Geschichte alle Werkzeuge, die sie für die Lösung braucht. Aber erst am Ende wird deutlich, wie sie diese Werkzeuge einsetzen muss. Von dir als Autor erfordert das Fingerspitzengefühl: Erwähne die Werkzeuge in der Geschichte, aber hau sie dem Leser nicht super-offensichtlich um die Ohren.

Hier ist mal eine Veranschaulichung des Spannungsverlaufs in einem Roman:

Wie strukturiert man einen Roman?
Wie strukturiert man einen Roman?

Zusammenfassung: Um den internen Konflikt zu lösen, muss der Protagonist sein „wahres Ich“ entdecken.
Um den externen Konflikt zu lösen, muss die Protagonistin die Dinge, die sie gelernt hat, auf die richtige Weise kombinieren. Die Lösung des externen Konflikts sollte für den Leser trotzdem überraschend sein.

Analysiere dein Lieblingsbuch

Demnächst werde ich mal ein Buch auseinandernehmen und seine Struktur hier im Blog analysieren. Das ist übrigens auch die beste Übung, um sich diese Struktur einzuprägen! Also, schnapp dir deinen Lieblingsroman und suche nach dem auslösenden Ereignis, den Versuch-und-Irrtum-Zyklen, dem Moment der Verzweiflung und der zündenden Idee. Was hat die Auflösung des Konflikts überraschend, aber unausweichlich gemacht? Du wirst sehen, dass dir diese Struktur bald überall auffällt!

Wie setzt man seinen Roman?

Du hast einen Roman geschrieben — dazu erst einmal herzlichen Glückwunsch! Das ist eine beeindruckende Leistung! Doch jetzt musst du dir Gedanken machen über all das Beiwerk. Anna Rawe hat einen Artikel geschrieben mit 11 Tipps für die Veröffentlichung deines ersten Romans. Einer davon beschäftigt sich mit dem Schriftsatz. „Schriftsatz“ bedeutet einfach nur, dass der Text deines Romans für den Druck als Buch vorbereitet wird. Professioneller Schriftsatz kann teuer sein. Wenn du gerade dein erstes Buch veröffentlichen möchtest, weißt du vielleicht noch nicht, ob diese Investition sich lohnt.

Wie kann man ein Buch kostenlos setzen?

Jetzt kommt die gute Nachricht: Du kannst dein Buch einfach selbst setzen! Alles, was du dazu brauchst, sind zwei kostenlose Programme und meine Vorlage, die du dir hier herunterladen kannst. Das Programm, mit dem du dein Buch setzen wirst, heißt LaTeX (keine Angst, das ist vollkommen jugendfrei). Dieses Programm hat den großen Vorteil, dass es „Open Source“ ist. Das bedeutet, dass jeder das Programm weiterentwickeln kann. Das haben auch viele Menschen getan. Dadurch gibt es inzwischen nichts mehr, was man mit LaTeX nicht setzen kann. Ich habe damit schon einige naturwissenschaftliche Arbeiten gesetzt — mit verschachtelten mathematischen Formeln, komplexen Tabellen, etc.

Aber so kompliziert musst du es zum Glück gar nicht machen! Also, was musst du tun, um deinen Roman mit LaTeX zu setzen? Um LaTeX auf deinen Computer zu bekommen, benötigst du eine sogenannte TeX-Distribution. MiKTeX ist eine solche Distribution. Du kannst es dir hier herunterladen. Installiere es auf deinem Computer. Nun benötigst du noch einen sogennanten Editor, um deinen Text zu bearbeiten. Der Editor ist das Programm, in das du den Text deines Buches einfügst und mit dem du das Buch gestaltest. Mein Lieblingsprogramm dafür ist TeXstudio, das gibt es hier (einfach auf „Download now“ klicken).

Nachdem du alles installiert hast, öffnest du TeXstudio. Dort klickst du auf Datei>Öffnen und wählst die Datei Roman_in_Latex_Vorlage.tex, die du dir ja vorher hier heruntergeladen hast.

Wie arbeitet man mit einer .tex-Datei?

Im Prinzip kannst du das .tex-Format in allen Schreibprogrammen öffen und bearbeiten. TeXstudio aber erlaubt dir auch das Kompilieren der Datei. „Kompilieren“ bedeutet, dass LaTeX die Kommandos in der .tex Datei verwendet, um ein schönes PDF zu erzeugen. Wie das PDF genau aussieht, bestimmen die Kommandos.

Bevor du allerdings die Datei Roman_in_Latex_Vorlage.tex kompilieren kannst, musst du eine Sache tun: Klick in TeXstudio auf Optionen>TeXstudio konfigurieren…

Konfiguriere TeXstudio

Es öffnet sich ein Fenster. Im linken Bereich klickst du auf den dritten Eintrag, Erzeugen. Klick auf das Auswahlmenü neben Standardcompiler und wähle LuaLaTeX. Klick auf Ok.

Wähle LuaLaTeX als Standardcompiler aus

Und das war’s! Um das Dokument zu kompilieren, drücke F5 auf deiner Tastatur oder klicke in der Werkzeugleiste auf die zwei grünen Dreiecke. Es dauert einen Augenblick, dann erscheint rechts ein Fenster mit dem kompilierten PDF. Herzlichen Glückwunsch, du hast dein erstes Dokument mit LaTeX erzeugt!

Kompiliere das LaTeX-Dokument

Dir wird vielleicht aufgefallen sein, dass zwischen den Kommandos in der .tex-Datei eine ganze Menge grauer Text mit einem oder mehreren Prozentzeichen davor steht. Das sind meine Erklärungen für dich! Die Prozentzeichen sorgen dafür, dass diese Erklärungen nicht mit gesetzt werden. Lies dir alles sorgfältig durch, damit du verstehst, wie du den Text deines eigenen Buches in das Dokument einfügen und gestalten kannst.

Unter dem Hauptfenster in TeXstudio befindet sich ein weiteres Fenster. Dort zeigt TeXstudio an, wie das Kompilieren des Dokumentes vorangeht. Wenn dort roter Text erscheint, hat LaTeX beim Kompilieren einen Fehler in den Kommandos entdeckt. Dort steht dann auch, in welcher Zeile sich der Fehler befindet, damit du ihn leicht finden und korrigieren kannst.

Wo finde ich weitere LaTeX-Kommandos?

Was aber, wenn du etwas in deinem Buch gestalten möchtest, was ich nicht in der Vorlage habe? Die schlichte Antwort: Gib deine Frage einfach bei Google ein. Zum Besipiel: „Wie bekomme ich farbigen Text in LaTeX?“ Die LaTeX-Community ist riesig, vor allem im deutschsprachigen Raum. Darum ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass vorher schon einmal jemand deine Frage in einem Forum gepostet hat. Wenn nicht, melde dich einfach in einem der LaTeX-Foren an und stell deine eigene Frage. Oder schreib deine Frage hier in die Kommentare!