für ein Genre schreiben

Für ein Genre schreiben: Welche Romangenre gibt es? – Teil 3

Das Cover und der Klappentext deines Buches verraten deinen Lesern das Genre deines Romans. Wenn du diese Erwartungen in der Geschichte nicht erfüllst, werden sie enttäuscht sein. Im besten Fall landet dein Buch nach dem Lesen in der Spendenkiste. Im schlimmsten Fall bekommst du eine negative Rezension. Für ein Genre schreiben – wie geht das eigentlich? Das erfährst du hier, im dritten Teil meiner Blogserie über Romangenre.

In Teil 1 hast du erfahren, welche externen Romangenre es gibt. In Teil 2 ging es um die internen Romangenre. Wie bedient man diese Genre beim schreiben?

Eine Geschichte gehört zu einem bestimmten Genre, weil es die Pflichtszenen des entsprechenden Genres enthält. Diese Pflichtszenen erwarten Leser an den Eckpunkten der Geschichte. Wenn du also für ein Genre schreiben willst, musst du die entsprechenden Szenen bringen, damit du Leser dieses Genres mit deiner Geschichte begeistern kannst.

Für eine Genre schreiben verlangt Pflichtszenen

Erinnerst du dich an den Artikel über den den Aufbau eines Romans? Dort findest du die drei Strukturelemente, die jeder Roman braucht: Aufmacher, Steigerung und Lösung.

für ein Genre schreiben

Die Pflichtszenen des Aufmachers

Im Aufmacher gibt es zwei Pflichtszenen: Das auslösende Ereignis und den Sprung ins Abenteuer.

Das auslösende Ereignis

Das auslösende Ereignis kann eine Entscheidung deiner Heldin sein. Zum Beispiel könnte sie ein Studium in einer fremden Stadt beginnen oder sich aufmachen, den Mord an ihrem Bruder zu rächen.
Aber auch der Zufall kann das auslösende Ereignis verursachen. So könnte ein Kommilitone vor einer Minute das letzte Exemplar des Buches ausgeliehen haben, das deine Heldin unbedingt zum Lernen braucht. Oder jemand wirft eine Mikrowelle aus dem Fenster, die einen Blindenhund erschlägt.

Wahrscheinlich hast du sofort Ideen für eine Geschichte gehabt, als du diese Beispiele für auslösende Ereignisse gelesen hast. Besonders das Beispiel mit dem Bibliotheksbuch schreit geradezu nach einer Romanze.

Aber da haben wir auch schon ein Problem: Klischees. Ja, du brauchst bestimmte Pflichtszenen, wenn du für ein Genre schreiben willst. Dazu gehört ein auslösendes Ereignis, das dein Genre bedient. Im Genre Liebesroman wäre das der Moment, in dem die Turteltäubchen sich begegnen. Doch es gibt so unglaublich viele Liebesromane und romantische Filmkomödien, dass das Publikum sich inzwischen schnell langweilt. Die Lösung: Erfinde die Pflichtszenen neu! Gib ihnen einen unerwarteten Dreh. Beispielsweise könnte die Protagonistin sich selbst in die WG des Kommilitonen einladen, um mit ihm gemeinsam zu lernen. Dort trifft sie seine Mitbewohnerin, die sie sofort total sympathisch findet. Damit hast du das Treffen der zukünftig Verliebten erfüllt, aber den Leser doch ein bisschen an der Nase herumgeführt. Erfrischend, aber nicht enttäuschend! Demnächst schreibe ich noch etwas dazu, wie man Pflichtszenen neu erfindet. Das geht nämlich ganz einfach und systematisch.

Das auslösende Ereignis muss also typisch für das Genre sein, für das du schreibst. Im Liebesroman müssen die Liebenden sich am Anfang begegnen. Im Krimi muss es am Anfang einen Mord geben. In einem Action-Thriller steht ein (evt. in letzter Minute vereiteltes) gewaltsames Verbrechen mit vielen (möglichen) Opfern oder einem wichtigen Opfer am Anfang. In einem Horror-Roman sind es unheimliche Ereignisse, die die Geschichte auf den Weg bringen.

Der Sprung ins Abenteuer

Du erinnerst dich vielleicht, dass der Aufmacher ungefähr das erste Viertel der Seitenanzahl deines Buches umfassen sollte. Das Auslösende Ereignis sollte dabei ganz am Anfang stehen. Am besten sogar gleich im ersten Satz. Beispiel: „Dieses dämliche charmante Lächeln würde mich meine Bachelorprüfung kosten.“

In den darauf folgenden Seiten entfaltet sich die Geschichte bis zu dem Punkt, an dem das Abenteuer so richtig losgeht. In unserem Liebesroman wäre das eine Szene, in der Unsere Heldin sich selbst eingestehen muss, dass sie Gefühle hat für die Mitbewohnerin des Buchdiebes. Dieser Punkt markiert den Sprung ins Abenteuer. Er befindet sich am Ende des Aufmachers.

Der Sprung muss übrigens nicht freiwillig sein. Der Held kann auch ins Abenteuer gestoßen werden. Beispiel: Der Protagonist muss einen neuen Blindenhund beantragen. Dabei muss er sich durch einen riesigen bürokratischen Dschungel kämpfen. Im Zuge dieses Kampfes fallen ihm Ungereimtheiten auf, die er aufklären muss, wenn er je wieder einen Hund bekommen möchte. Und schon findet sich dein Held in einem politischen Thriller wieder.

Zusammenfassend: Die Pflichtszenen des Aufmachers sind das auslösende Ereignis ganz am Anfang und der Sprung ins Abenteuer als letzte Aufmacher-Szene.

Die Pflichtszenen der Steigerung

Der Mittelteil deines Buches sollte vom Umfang her etwa die Hälfte ausmachen. Hier versucht dein Protagonist, sein Problem zu lösen. Dabei scheitert er aber immer wieder. Die Probleme nehmen zu, bis der Held schließlich verzweifelt.

Die Pflichtszenen während der Steigerung beschreiben diese Probleme. Dabei solltest du etwa drei Zyklen von Versuch und Scheitern beschreiben. In der ersten Szene ist das Problem noch klein. Beispiel: die Heldin hat ein romantisches Date mit ihrer Flamme. Das Date verläuft toll. Am Ende sagt der Schwarm (die Schwärmin?), dass sie noch nie mit einem Mädchen zusammen war, die Heldin aber toll findet und es versuchen möchte.

In der zweiten Szene wird das Problem größer. Die beiden Mädchen sind zusammen, aber die eine verweigert Zuneigungsbekundungen oder Berührungen in der Öffentlichkeit. Von dieser Art Problemsteigerungsszene kannst du auch mehr einbauen. Wichtig ist nur, dass das Problem Stück für Stück größer wird.

In der letzten Szene des Versuch-und-Scheitern-Zyklus wird das Problem so groß, dass die Heldin keine Lösung, keine Umgehung mehr finden kann. Das Problem zerstört die Hoffnung der Protagonistin. Das führt dazu, dass sie das Abenteuer aufgibt. In unserem Beispiel könnte das der beste Freund des Schwarms sein, der sehr religiös ist und seine Freundin davon überzeugt, dass Homosexualität falsch ist. Die beendet daraufhin die Beziehung mit der Protagonistin.

Das führt direkt in die letzte Szene der Steigerung: Die Verzweiflung. Hier versucht die Heldin, in ihr altes Leben zurückzukehren und das Abenteuer aufzugeben.

Kurz gesagt: Die Pflichtszenen der Steigerung sind mehrere Zyklen von Versuch und Scheitern. Am Ende steht die Verzwiflung und der Wunsch, das Abenteuer aufzugeben.

Die Pflichtszenen der Lösung

Das letzte Viertel deines Buches enthält den Höhepunkt der Geschichte und die Lösung des Problems.

Der Höhepunkt

Hier rafft sich der Protagonist ein letztes Mal auf, sein Abenteuer doch noch zu einem guten Ende zu bringen. Das ist die legendäre letzte Schlacht. Der Moment, wo die Heldin während des Gebetes in die Moschee platzt und eine flammende Rede für die Liebe hält.

Auch hier kann der Held allerdings gezwungen werden. Der blinde Laiendetektiv hat seinen Kampf gegen die korrupten Bürokraten aufgegeben und beschlossen, selbst auf einen Hund zu sparen. Doch dann findet er sich gefesselt und geknebelt an einem unbekannten Ort wieder.

In dieser Szene muss es hart auf hart kommen. Die Heldin muss sich in einer Situation befinden, die richtig gut ausgehen kann – sie bekommt alles, was sie sich erträumt. Die Situation muss aber genauso richtig schlecht ausgehen können – der Protagonist verliert alles. Und „alles“ umfasst auch sein normales Leben.

Das Geheimnis eines mitreißenden Höhepunktes

Egal, wie diese Szene ausgeht: Der Protagonist kann danach nicht mehr in sein altes Leben zurück. Entweder, weil etwas Neues, wundervolles in sein Leben getreten ist, oder weil sein Scheitern ihm alles nimmt, was er hatte. Es darf nichts dazwischen geben. Das ist das Geheimnis eines mitreißenden Höhepunktes: Du solltest die Geschichte bis hierher so aufgebaut haben, dass dein Protagonist entweder alles gewinnen oder alles verlieren kann, aber nichts dazwischen.

Das kannst du auch erreichen, indem deine Heldin sich persönlich so weit entwickelt, dass sie nie wieder zurück kann in ihr altes Leben. Der Leser sollte das Gefühl bekommen, dass es total falsch wäre, wenn die Protagonistin zurückkehrt in die alte Routine. Dazu solltest du die innere Entwicklung der Protagonistin möglichst realistisch gestalten. Hat sie beispielsweise ihre Homosexualität entdeckt, könnte sie sich auf einmal viel freier fühlen. Ihre schwierige Beziehung mit ihrem Ex-Freund macht auf einmal Sinn und sie kannn sich erklären, warum ihr Liebesleben bisher so schief lief. Der Leser freut sich mit der Heldin und versteht intuitiv, dass sie nicht wieder so tun kann, als sei sie heterosexuell.

Die Auflösung

Nach dem Höhepunkt, dem verzweifelten Alles-oder-Nichts, folgt die Auflösung. Der Moment, in dem die Liebenden ihre Differenzen aus dem Weg räumen und sich zueinander bekennen. Der Augenblick, wo der blinde Detektiv ein Geräusch hört, das ihm sagt, wo er gefangen ist und wer sein Gegenspieler ist. Aber „Auflösung“ bedeutet nicht unbedingt, dass die Geschichte gut ausgeht!

Die Auflösung sollte überraschend, aber unausweichlich sein. Der Verein, der dem Laiendetektiv bei seinen Ermittlungen gegen die Korruption half, ist im Kern eine militante Tierschutzorganisation, die ein Gesetz gegen Assistenztiere erzwingen will. Der Schwarm ist nach der flammenden Rede in der Moschee verärgert, dass die Heldin ihre neu gefundene Religion nicht respektiert. Sie überzeugt die Heldin davon, dass sie noch nicht bereit ist, ihre Homosexualität auszuleben und bittet um Zeit. Diese wohl durchdachte Bitte ist überraschend, da die Protagonistin glaubte, der muslimische Freund habe ihren Schwarm gehirngewaschen. Aber sie ist auch unausweichlich, da der Schwarm ihre eigenen muslimischen Wurzeln immer wieder erwähnte.

Doch selbst, wenn die Protagonistin nicht bekommt, was sie wollte, kann sie dennoch bekommen, was sie brauchte. Auch das wird den Leser mit einem zufriedenen Gefühl zurücklassen. Die Heldin hat zwar keine Beziehung mit ihrem Schwarm bekommen, aber etwas wichtiges über Respekt vor persönlichen Entscheidungen gelernt. Und sie hat ihre eigenen Sexualität besser kennengelernt.

Zur Zusammenfassung: Die erste Pflichtszenen der Lösung ist der Höhepunkt, das „letzte Gefecht“, wo der Held noch einmal alles gibt. Die zweite Pflichtszene ist die Auflösung des Konflikts, entweder indem die Protagonist den „Kampf“ gewinnt oder indem sie ihn verliert, dabei aber etwas Wichtiges lernt.

Für ein Genre schreiben verlangt Wissen!

Wenn du für ein Genre schreiben möchtest, musst du dieses Genre auch sehr viel lesen. Das tust du wahrscheinlich ohnehin. Nimm dir eines deiner Lieblingsbücher und versuche, die Pflichtszenen darin zu finden: Was ist das auslösende Ereignis? Wann und warum muss der Protagonist das Abenteuer beginnen? Welche größer werdenden Hindernisse stehen ihm im Weg? Was führt den Moment der Verzweiflung herbei? Und wie kann er seine Aufgabe schließlich doch noch lösen?

In Zukunft werde ich mir einzelne Genre vornehmen und die Pflichtszenen darin beschreiben. Ihr habt auf Twitter entschieden, dass ich mir zuerst das Genre Action-Abenteuer vornehme, zu dem auch der Großteil der Fantasy-Geschichten gehört. Folge mir auf Twitter oder Pinterest, um den Artikel nicht zu verpassen!

innere Romangenre

Welche Romangenre gibt es? – Teil 2

Wie viele Genre darf ein einziger Roman haben? Was unterscheidet das innere vom äußeren Romangenre? Und muss mein Held unbedingt eine charakterliche Veränderung durchmachen?

In meinem letzten Beitrag ging es um die äußeren Romangenre. Im zweiten Teil dieser dreiteiligen Blogserie will ich die inneren Romangenre vorstellen.

Zuerst einmal zur Erinnerung: Das äußere Romangenre beschreibt das „sichtbare“ Abenteuer, das die Heldin erlebt. Das heißt, dass das äußere Genre zeigt, was die Heldin will.

Innere Romangenre

Im Gegensatz dazu zeigt das innere Genre, was die Heldin braucht. Und da haben wir den Salat: Was sie will und was sie braucht, sind oft gegensätzliche Dinge. Vielleicht will sie die beste ihres Jahrgangs sein. Aber eigentlich braucht sie die Einsicht, dass sie auch mit mittelmäßigen Noten liebenswert ist. Oder der Protagonist will den Mörder finden. Doch bevor er das kann, muss er seine Drogensucht besiegen.

innere Romangenre

Der Hauptkonflikt des inneren Genres steht der Lösung des äußeren Problems meist im Weg. Im Artikel über den Aufbau eines Romans habe ich geschrieben, dass die Lösung des äußeren Problemes zwei Dinge sein muss: Überraschend und unausweichlich. Zum Besipiel: Der Protagonist erkennt plötzlich, dass ein nerviges Mitglied der Bande die Antwort schon immer wusste. Dieses Mitglied hat er vorher nie ernst genommen. Der Protagonist muss jetzt seinen Stolz ablegen, um den Feind zu besiegen. Oder: Die Heldin ist in den coolsten Typ der Schule verliebt. Sie kommt mit ihm zusammen, ist aber immer noch nicht glücklich. Erst, als sie sich ihre Homosexualität eingesteht, findet sie die wahre Liebe.

Ich will Action schreiben! Brauche ich diesen Psychokram wirklich?

Nein, brauchst du nicht 🙂 Es gibt viele Geschichten, zum Beispiel lange Serien, in denen es kein inneres Genre gibt. Der Protagonist bleibt immer der Typ, den die Leser lieben. Denk z.B. an James Bond oder Sherlock Holmes. Aber auch viele Kinderserien haben gleichbleibene Charaktere, z.B. Die drei Fragezeichen. So lange du eine spannende Geschichte lieferst, brauchst du nicht zwingend ein internes Genre. Das überraschende und unausweichliche Ende kann auch daher rühren, dass die Protagonistin ein Rätsel endlich richtig löst. Oder dass sie etwas erfährt, was sie vorher nicht wusste.

Interne Romangenre: Die Liste!

Genau wie letztes Mal gibt es auch heute eine Liste. Die ist etwas kürzer als die für die äußeren Romangenre (Jeej!)

Weltanschauung

  • Bildung (Der Protagonist tritt in eine neue Welt ein, z.B. einen anderen sozialen Kreis. Diese Veränderung zeigt ihm, dass er bisher naiv und unwissend war. Doch er findet seinen Weg und lernt, sich in der neuen Umgebung zu entfalten und sich selbst treu zu bleiben. Lev Grossman, „The Magicians“)
  • Offenbahrung (Die Protagonistin erhält Informationen, die ihr Weltbild komplett verändern. Aufgrund dieser Offenbahrung muss sie schnell handeln, um eine drohende Katastrophe abzuwehren. Ray Bradbury, „Fahrenheit 451“)
  • Entwicklung (Der Protagonist beginnt als Person mit Fehlern, die sich negativ auf sein Leben und/oder sein Umfeld auswirken. Dessen ist er sich aber nicht bewusst. Im Laufe der Zeit erkennt der Protagonist seine Fehler und legt sie ab. Khaled Hosseini, „The Kite Runner“)
  • Desillusionierung (Gegenteil des Genres Bildung: Die Protagonistin beginnt naiv und optimistisch. Doch je mehr sie erfährt über die Welt und das Leben, desto mehr bemerkt sie, dass hehre Ideale Fehl am Platz sind. Am Ende entwickelt sie eine „Ist eh alles egal“-Mentalität. Merritt Tierce, „Love Me Back“)

Status

  • tragisch (Der Protagonist hat alles und ist erfolgreich. Aber aufgrund äußerer Umstände oder eigener Schuld verliert er es. All seine Mühen, den Abstieg aufzuhalten, bleiben vergebens. Edith Wharton, „The House of Mirth“)
  • mitleiderregend (Die Heldin kommt aus ungünstigen Bedingungen. Sie setzt alles an ihren Aufstieg. Doch sie scheitert aus charakterlichen oder äußeren Gründen. Salman Rushdie, „Midnight’s Children“)
  • rührend (Der Held kommt aus ungünstigen Bedingungen. Aber dank seines Talents kann er trotz einiger Schicksalsschläge hoch aufsteigen. Robin Sloan, „Mr. Penumbra’s 24-Hour Bookstore“)
  • bewunderungswürdig (Die Protagonistin hat Erfolg. Aufgrund äußerer Umstände droht sie, alles zu verlieren. Doch dank ihrer Persönlichkeit behält sie die Oberhand. Rachel Kushner, „The Flamethrowers“)

Moral

  • Bestrafung (Die Protagonistin ist eine Anti-Heldin, die der Leser dennoch für ihre Fähigkeiten bewundert. Sie erreicht Gutes mit fragwürdigen Mitteln. Am Ende erhält sie jedoch ihre gerechte Strafe. Ken Kesey, „One Flew Over the Cuckoo’s Nest“)
  • Wiedergutmachung und Erlösung (Der Protagonist bahnt sich rücksichtslos den Weg zu seinem Ziel. Ein Ereignis führt ihm vor Augen, wie falsch sein Handeln ist. Er versucht, seine Fehler wiedergutzumachen und wird zu einem besseren Menschen. Charles Dickens, „A Christmas Carol“)
  • Test (Ein moralisch einwandfreier Held wird vor eine schwere Wahl gestellt: Seine Prinzipien aufgeben oder etwas Wichtiges verlieren (Geld, Liebe, Macht, etc.). Er bleibt seinen Prinzipien treu und nimmt den Verlust hin. ALTERNATIVE: Ein Gauner mit dem Herz auf dem rechten Fleck beginnt ein ehrliches Leben. Um seinen neuen Prinzipien treu bleiben zu können, muss er einen großen Verlust hinnehmen. Ernest Kline, „Ready Player One“)

Wie bringe ich inneres und äußeres Romangenre zusammen?

Überlege, ob du ein inneres Romanenre für deinen Roman möchtest. Wenn ja, such dir ein passendes Genre aus. Beachte dabei, dass das innere Genre eine große Auswirkung auf die Art der Geschichte hat! Beispiel: Ein Action-Thriller. Stell dir vor, dass der Protagonist mit einer Kollegin eine Wette laufen hat, wer den Killer zuerst schnappt. Die Kollegin versucht, ihn auf eine falsche Fährte zu locken. Zunächst fällt er darauf herein, kommt ihr jedoch am Ende auf die Schliche und schnappt den Killer auf spektakuläre Weise. Das wäre das Genre Status – bewunderungswürdig.
ODER: Deselbe Action-Thriller. Mit demselben Killer, der geschnappt werden muss und derselben Wette mit der Kollegin. Doch der Protagonist findet nach und nach heraus, dass die Mordopfer alle Teil eines Menschenhändler-Rings waren. Je mehr er über diesen Ring erfährt, desto geringer wird seine Motivation, den Mörder zu finden. Am Ende ist er es, der seine Kollegin auf eine falsche Fährte lockt, um den Mörder zu schützen. Das wäre dann Weltanschauung – Desillusionierung.

Das innere Romangenre kann also einen großen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte haben! Und du bemerkst auch, dass man, je nach Geschichte, fast automatisch irgendein inneres Genre bedient, ohne groß darüber nachzudenken

Was dein Held will vs. was dein Held braucht

Stelle dir diese Frage: Was will mein Held, das die Leser interessiert? Diese Frage definiert dein äußeres Genre. Wenn du eine tolle Antwort darauf hast, ziehst du die Leser gleich am Anfang in den Bann der Geschichte.

Und dann frage dich: Was braucht mein Held, damit er am Ende der Geschichte eine andere Persönlichkeit ist als am Anfang? Diese Frage definiert dein inneres Genre. Denk daran, dass der Held erst erreichen muss, was er braucht, bevor er das erreichen kann, was er will. Oder vielleicht erkennt er, dass er die ganze Zeit das Falsche wollte.

Deine Leser werden sich lange an einen Protagonisten erinnern, der sie beeindruckt und motiviert, selbst zu einem besseren Menschen zu werden. Das kannst du auch durch ein abschreckendes Beispiel erreichen! Ein Protagonist, der aus Faulheit und Bequemlichkeit sein Potenzial nicht verwirklich und am Ende arbeitslos und drogensüchtig ist, kann deine Leser motivieren, anders zu leben.

Sowohl inneres als auch äußeres Genre deines Romans kannst du leicht bedienen. Du musst einfach an bestimmten Eckpunkten der Geschichte die Erwartung deiner Leser an dieses Genre erfüllen. Welche Eckpunkte das sind, dazu komme ich im dritten Teil! Folge mir auf Twitter oder Pinterest, um keinen Artikel mehr zu verpassen!

Welche Romangenre gibt es

Welche Romangenre gibt es? – Teil 1

Welche Romangenre gibt es eigentlich? Wie viele davon darf ich in ein- und demselben Roman verarbeiten? Und warum ist Fantasy kein Genre? Diese und viele andere Fragen beantworte ich in den kommenden Wochen. Diese Blogserie wird drei Teile haben. Los geht’s!

Was bedeutet dieses Wort, „Genre“, überhaupt? Den Wikipedia-Eintrag dazu finde ich ziemlich schwer zu verstehen. Darum kommt hier meine halbwegs stümperhafte Erklärung: Das Romangenre beschreibt, zu welchem Thema die Haupthandlung der Geschichte gehört. Klärt der Protagonist einen Mord auf? Dann ist das Buch ein Kriminalroman. Versucht die Protagonistin, ihrem Schwarm zu erobern? Dann ist es ein Liebesroman.

„Äußere“ Romangenre

Die meisten Romane haben zwei Romangenre, ein äußeres und ein inneres. Das „äußere“ Genre beschreibt dabei den Hauptkonflikt, den theoretisch auch andere handelnde der Geschichte sehen können: Einen Mord, eine Romanze, die Zombie-Apokalypse, etc. In anderen Worten: Das äußere Genre zeigt, was der Protagonist will.

Welche Romangenre gibt es

Aufgrund der schieren Fülle von Genres soll es heute nur um äußere Romangenre gehen. Hier mal eine Liste äußerer Romangenre und ihrer Untergenre (mit kurzer Zusammenfassung und Beispielen):

Kriminalroman

  • Mord (Wer ist der Täter? der/die schlaue Detektiv/in findet es dank seiner/ihrer überragenden Strategie heraus. z.B. Agatha Christie, „Murder on the Orient Express“)
  • Gaunerei/Heist (Heldenhafte Gauner drehen ein tolles Ding und schlagen ihren Verfolgern (zunächst) ein Schnippchen. Michael Crichton, „The Great Train Robbery“)
  • Gerichtsverfahren (Die Anwältin glaubt, dass der Fall anders liegt, als alle denken. Sie versucht, den Richter oder die Jury von ihrer Sicht zu überzeugen. Harper Lee, „To Kill a Mockingbird“)
  • Spionage (Ein Agent muss die feindliche Regierung infiltrieren, um wichtige Informationen zu erhalten. Dabei wird er zum Spielball zwischen den Mächten. John le Carré, „The Spy Who Came in from the Cold“)
  • Journalismus (Eine investigative Reporterin findet mehr heraus als die Polizei. Folglich löst sie den Fall, dar als unlösbar galt oder falsch gelöst wurde. Michael Connelly, „The Poet“)
  • Gefängnis (Jemand sitzt unschuldig im Gefängnis. Weil kaum jemand ihm glaubt, muss er selbst oder mit Hilfe eines Verbündeten den wahren Täter finden. Stephen King, „The Green Mile“)
  • Organisiertes Verbrechen (Eine Mafia-Familie liefert sich Schlagabtäusche mit verfeindeten Familien und/oder der Polizei. Schließlich bekommt die Familie alle Macht oder geht unter. Mario Puzo, „The Godfather“)

Action

  • Abenteuer (Rennen, springen, kämpfen und vor allem: überleben! Michael Crichton, „Jurassic Park“)
  • Wettlauf gegen die Zeit (Aufrgund wichtiger Umstände muss der Held vor Ablauf der Zeit irgendwo sein. Weil die Reise kompliziert ist, gelingt das nur knapp. Jules Verne, „In 80 Tagen um die Welt“)
  • Epos (Die Heldin muss sich mehreren Prüfungen stellen. Aufgrund ihrer Entscheidungen verändert sie ihre Persönlichkeit und eventuell auch das Schicksal ihrer Welt. Jonathan Swift, „Gulliver’s Travels“)

Horror

  • unheimlich (Merkwürdige Dinge geschehen, doch das Böse zeigt sich erst ganz zum Schluss. Shirley Jackson, „The Haunting of Hill House“)
  • übernatürlich (Merkwürdige Dinge geschehen und das Böse wird schnell gefunden. Allerdings lässt es sich nur schwer besiegen. William Peter Blatty, „The Exorcist“)
  • unerklärlich (Merkwürdige Dinge geschehen. Doch das Böse ist so mächtigund geheimnisvoll, dass niemand es jemals aufdeckt oder gar besiegt. H.P. Lovecraft, „The Call of Cthulhu“)

Thriller mit viel Politik

  • Militär (Zwei oder mehr verfeindete Mächte versuchen, ein bestimmtes Ziel vor den anderen zu erreichen. Tom Clancy, „The Hunt for Red October“)
  • Politik (Verschiedene Menschen und Mächte arbeiten gegeneinander, um ihre jeweiligen politischen Ziele zu erreichen. Dies tun sie mit extremen Mitteln, z.B. Anschlägen. Frederick Forsyth, „The Day of the Jackal“)
  • Spionage (Ein Spion versucht eine Mission zu erfüllen, deren wahren Zweck er erst später erfährt. Niemandes Loyalität ist gewiss, jeder könnte ihn betrügen und ausliefern. Robert Ludlum, „The Bourne Identity“)

Thriller mit weniger Politik

  • Journalismus (Eine Journailistin ist einer Story auf der Spur, die jemand reichen und mächtigen in Schwierigkeiten bringen wird. Daher wird sie von allen Seiten verfolgt. Stieg Larsson, „The Girl with the Dragon Tattoo“)
  • Recht und Gesetz (Eine Zeugin und ihr Anwalt geraten in ein Tauziehen zwischen Polizei und Verbrechern. Dabei benutzen beide Seiten die Zeugin als Instument. Ihr Anwalt versucht, sie zu beschützen. John Grisham, „The Client“)
  • Finanz (Der Protagonist erhält die Kontrolle über sehr viel Geld. Allerdings stammt dieses Geld aus dubiosen Quellen. Dadurch macht er sich finanziell mächtige Feinde, die ihm an den Kragen wollen. Martin Bodenham, „The Geneva Connection“)
  • Serienmörder (Ein Unbekannter begeht eine Reihe von schrecklichen Morden. Demgegenüber steht eine Ermittlerin, die ihn vor dem nächsten Mord aufspüren muss. Thomas Harris, „The Silence of the Lambs“)

Thriller (fast) ohne Politik

  • Medizin (Eine geheimnisvolle Krankheit bricht aus. Im Folgenden muss ein genialer Arzt die Ursache finden, bevor die Krankheit zur Pandemie wird. Tess Gerritsen, „Life Support“)
  • Psychologie (Eine psychisch instabile Person wird in merkwürdige Umstände verwickelt. Sie glaubt, Geheimnisse aufzudecken. Allerdings ist sie sich aufgrund ihrer eigenen Instibilität nie sicher, ob die Enthüllungen echt sind oder sie normale Dinge falsch interpretiert. Paula Hawkins, „The Girl on the Train“)
  • häuslich (Die neue Nachbarin/ Kollegin/ Der neue Trainer im Fitnessstudio scheint das perfekte Leben zu haben. Aber je besser die Protagonistin ihn/sie kennenlernt, desto mehr häufen sich die Hinweise auf ein düsteres Geheimnis. Shari Lapena, „The Couple Next Door“)

Leistung

  • Sport (Eine Sportlerin oder ein Team wollen den großen Sieg holen. Dabei stehen ihnen die sportliche Konkurrenz, finanzielle Nöte oder ihre eigene Persönlichkeit im Weg. Chad Harbach, „The Art of Fielding“)
  • Kunst (ein Künstler/ Designer/ eine Theatertruppe will groß herauskommen. Dabei stehen die Konkurrenz, finanzielle Nöte oder ihre eigene Persönlichkeit im Weg. Maureen Johnson, „Suite Scarlett“)
  • Musik (ein Musiker/ eine eine Band will groß herauskommen. Dabei stehen die Konkurrenz, finanzielle Nöte oder ihre eigene Persönlichkeit im Weg. Jennifer Egan, „A Visit from the Goon Squad“)
  • Unternehmen (Die Protagonistin mächte ihre Firma oder Karriere zum Erfolg bringen. Dabei stehen die Konkurrenz, finanzielle Nöte oder ihre eigene Persönlichkeit im Weg. Margot Lee Shetterly, „Hidden Figures“)*
    *das ist ein Sachbuch. Ich hatte Schwierigkeiten, einen guten Roman zu finden, der ein Unternehmen oder eine Karriere als zentrales Thema hat. Filme und Serien finden sich dagegen reichlich: „The Devil Wears Prada“, „Mad Men“, „Girl Boss“, etc. Kennst du einen guten Roman, der eine Unternehmen oder eine Karriere als Thema hat? (muss nicht das Hauptthema sein). Wenn ja, dann schreib Autor und Titel in die Kommentare.

Kriegsroman

  • Propaganda (Es herrscht Krieg. Ein oder mehrere Protagonisten müssen ihre Rolle darin spielen. Schlussendlich sind sie dank des Krieges erfolgreich oder gehen seinetwegen unter. Die Geschichte hat eine Moral: Entweder „Der Krieg ist gerechtfertigt und wir müssen den Feind besiegen“ ODER „Krieg schadet allen Beteiligten und wir müssen ihn vermeiden“. Erich Maria Remarque, „Im Westen nichts Neues“.)
  • Zusammenhalt (Eine Gruppe von Soldaten muss im Krieg kämpfen. Sie überstehen ihn dank der Freundschaft, die sie miteinander aufbauen. Norman Mailer, „The Naked and the Dead“)

Gesellschaftsroman

  • häuslich (Eine Familie gerät in finanzielle, politische oder gesellschaftliche Nöte. Diese werden durch ein oder mehrere Familienmitglieder verursacht oder verschärft. Thomas Mann, „Buddenbrooks“)
  • politisch (Eine Gruppe innerhalb der Gesellschaft erfährt Unterdrückung. Ein oder mehrere Mitglieder der Gruppe kämpfen gegen diese Unterdrückung. Dadurch werden sie zum Anführer einen kleinen oder großen Revolution. Angie Thomas, „The Hate U Give“)

Liebesroman

  • Umwerben (der Protagonist ist verliebt. Der/die Geliebte erhört ihn, doch dann beginnen die Probleme erst. ODER die Protagonistin muss erst ihre eigene, wahre Persönlichkeit erkennen, bevor sie den/die Geliebte überzeugt. Helen Fielding, „Bridget Jones’s Diary“)
  • Obsession (Die Protagonistin ist verliebt. Sie setzt alles daran, dass ihr/e Geliebte/r sie erhört – ob er/sie will oder nicht. Die Geschichte nimmt kein gutes Ende. F. Scott Fitzgerald, „The Great Gatsby“)
  • Beziehungsprobleme (Die Protagonisten sind schon eine Weile zusammen. Die erste Verliebtheit ist verflogen und beide zeigen ihre wahre Persönlichkeit. Wird ihre Liebe diesem Sturm widerstehen? Jonathan Franzen, „The Corrections“)
  • Verbotene Liebe (Die Protagonisten lieben einander und wollen zusammen sein. Doch gesellschaftliche Normen machen eine Beziehung schwierig oder unmöglich. Annie Proulx, „Brokeback Mountain“)
  • Erotik (Der Protagonist entdeckt seine Sexualität (neu) und lebt sie aus. Dafür muss er sich von gesellschaftlichen Zwängen befreien. Ingeborg Day, „Nine and a Half Weeks“)

Darf ich mehrere Genre auf einmal benutzen?

Ja, auf jeden Fall! die allermeisten Bücher sind zwei oder noch mehr Genres zuzuorden. Die Helden auf der Flucht vor einem Monster auf einer einsamen Insel wäre zum Beispiel Action-Horror. Zwei Polizeibeamte, die einen Mörder suchen und ihre Liebe für einander entdecken kann ein Erotik-Krimi werden. Auch Untergenres lassen sich oft nicht voneinander trennen: Da kommt ein drogenabhängiger Journalist einer Serienmörderin auf die Spur, kann sich aber am nächsten Tag nicht mehr erinnern, die Fotos und Notizen auf seinem Smartphone angefertigt zu haben. Boom, ein psychologischer Journalisten-Serienmörder-Thriller!

Bestimmte Romangenre, wie zum Beispiel das Leistungs-Genre wären für sich alleine ziemlich trocken. Eine bloße Beschreibung, wie eine Sportlerin trainiert und von Wettkampf zu Wettkampf besser wird, ist langweilig. Da muss eine psychologische Komponente rein: Warum will sie unbedingt gewinnen, welchen symbolischen Wert hat die Medaille/Trophäe/der Gürtel für sie? Oder man kombiniert es mit einem anderen Genre. (Mehr dazu findest du hier) Ein paar Beispiele:

  • sie ist besessen vom Ehrgeiz und stellt fest, dass auch die Goldmedaille sie nicht glücklich macht. Das führt sie auf eine Entdeckungsreise zu sich selbst.
  • Ihre Mutter wurde als Immigrantin nicht ins Nationalteam aufgenommen. Sie, die Tochter, macht nun den Traum ihrer Mutter wahr.
  • Das System ist korrupt. Alle dopen, jeder steckt mit drin. Sie muss in den Nationalkader, um die Korruption aufdecken zu können.

Warum sind Fantasy und SciFi keine Genre?

Die Welt, in der deine Geschichte spielt, hat etwas mit dem Realismus der Geschichte zu tun. Der Realismus trägt zum Genre bei, kann es aber nicht allein definieren. Eine Geschichte, in der zwei Leute von unterschiedlichen Planeten sich einander verlieben, obwohl die Planeten sich im Krieg miteinander befinden, wäre dem Romangenre Liebesroman – verbotene Liebe zuzuordnen. Eine Geschichte aber, die einem Spion in demselben Krieg folgt, könnte ein Thriller werden. Fans des ersteren fänden zweiteres vielleicht langweilig, und umgekehrt. „Ich schreibe Fantasy/ Ich schreibe Sci-Fi“ sagt deinen Lesern also ziemlich wenig über die Geschichten, die sie in deinen Büchern erwarten.

Und dann hätten wir da ja auch noch die inneren Romangenre. Die sind für viele Geschichten unverzichtbar. Hier findest du mehr dazu. Folgt mir auf Twitter oder Pinterest, um keinen Artikel mehr zu verpassen! Fallen dir verrückte Genre-Kombinationen ein, die bisher noch keiner geschrieben hat? Schreib deine Idee in die Kommentare!