Wie setzt man seinen Roman?

Du hast einen Roman geschrieben — dazu erst einmal herzlichen Glückwunsch! Das ist eine beeindruckende Leistung! Doch jetzt musst du dir Gedanken machen über all das Beiwerk. Anna Rawe hat einen Artikel geschrieben mit 11 Tipps für die Veröffentlichung deines ersten Romans. Einer davon beschäftigt sich mit dem Schriftsatz. „Schriftsatz“ bedeutet einfach nur, dass der Text deines Romans für den Druck als Buch vorbereitet wird. Professioneller Schriftsatz kann teuer sein. Wenn du gerade dein erstes Buch veröffentlichen möchtest, weißt du vielleicht noch nicht, ob diese Investition sich lohnt.

Wie kann man ein Buch kostenlos setzen?

Jetzt kommt die gute Nachricht: Du kannst dein Buch einfach selbst setzen! Alles, was du dazu brauchst, sind zwei kostenlose Programme und meine Vorlage, die du dir hier herunterladen kannst. Das Programm, mit dem du dein Buch setzen wirst, heißt LaTeX (keine Angst, das ist vollkommen jugendfrei). Dieses Programm hat den großen Vorteil, dass es „Open Source“ ist. Das bedeutet, dass jeder das Programm weiterentwickeln kann. Das haben auch viele Menschen getan. Dadurch gibt es inzwischen nichts mehr, was man mit LaTeX nicht setzen kann. Ich habe damit schon einige naturwissenschaftliche Arbeiten gesetzt — mit verschachtelten mathematischen Formeln, komplexen Tabellen, etc.

Aber so kompliziert musst du es zum Glück gar nicht machen! Also, was musst du tun, um deinen Roman mit LaTeX zu setzen? Um LaTeX auf deinen Computer zu bekommen, benötigst du eine sogenannte TeX-Distribution. MiKTeX ist eine solche Distribution. Du kannst es dir hier herunterladen. Installiere es auf deinem Computer. Nun benötigst du noch einen sogennanten Editor, um deinen Text zu bearbeiten. Der Editor ist das Programm, in das du den Text deines Buches einfügst und mit dem du das Buch gestaltest. Mein Lieblingsprogramm dafür ist TeXstudio, das gibt es hier (einfach auf „Download now“ klicken).

Nachdem du alles installiert hast, öffnest du TeXstudio. Dort klickst du auf Datei>Öffnen und wählst die Datei Roman_in_Latex_Vorlage.tex, die du dir ja vorher hier heruntergeladen hast.

Wie arbeitet man mit einer .tex-Datei?

Im Prinzip kannst du das .tex-Format in allen Schreibprogrammen öffen und bearbeiten. TeXstudio aber erlaubt dir auch das Kompilieren der Datei. „Kompilieren“ bedeutet, dass LaTeX die Kommandos in der .tex Datei verwendet, um ein schönes PDF zu erzeugen. Wie das PDF genau aussieht, bestimmen die Kommandos.

Bevor du allerdings die Datei Roman_in_Latex_Vorlage.tex kompilieren kannst, musst du eine Sache tun: Klick in TeXstudio auf Optionen>TeXstudio konfigurieren…

Konfiguriere TeXstudio

Es öffnet sich ein Fenster. Im linken Bereich klickst du auf den dritten Eintrag, Erzeugen. Klick auf das Auswahlmenü neben Standardcompiler und wähle LuaLaTeX. Klick auf Ok.

Wähle LuaLaTeX als Standardcompiler aus

Und das war’s! Um das Dokument zu kompilieren, drücke F5 auf deiner Tastatur oder klicke in der Werkzeugleiste auf die zwei grünen Dreiecke. Es dauert einen Augenblick, dann erscheint rechts ein Fenster mit dem kompilierten PDF. Herzlichen Glückwunsch, du hast dein erstes Dokument mit LaTeX erzeugt!

Kompiliere das LaTeX-Dokument

Dir wird vielleicht aufgefallen sein, dass zwischen den Kommandos in der .tex-Datei eine ganze Menge grauer Text mit einem oder mehreren Prozentzeichen davor steht. Das sind meine Erklärungen für dich! Die Prozentzeichen sorgen dafür, dass diese Erklärungen nicht mit gesetzt werden. Lies dir alles sorgfältig durch, damit du verstehst, wie du den Text deines eigenen Buches in das Dokument einfügen und gestalten kannst.

Unter dem Hauptfenster in TeXstudio befindet sich ein weiteres Fenster. Dort zeigt TeXstudio an, wie das Kompilieren des Dokumentes vorangeht. Wenn dort roter Text erscheint, hat LaTeX beim Kompilieren einen Fehler in den Kommandos entdeckt. Dort steht dann auch, in welcher Zeile sich der Fehler befindet, damit du ihn leicht finden und korrigieren kannst.

Wo finde ich weitere LaTeX-Kommandos?

Was aber, wenn du etwas in deinem Buch gestalten möchtest, was ich nicht in der Vorlage habe? Die schlichte Antwort: Gib deine Frage einfach bei Google ein. Zum Besipiel: „Wie bekomme ich farbigen Text in LaTeX?“ Die LaTeX-Community ist riesig, vor allem im deutschsprachigen Raum. Darum ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass vorher schon einmal jemand deine Frage in einem Forum gepostet hat. Wenn nicht, melde dich einfach in einem der LaTeX-Foren an und stell deine eigene Frage. Oder schreib deine Frage hier in die Kommentare!

ÜberListe deinen inneren Schweinehund

Du willst einen Roman schreiben. Oder eine Kurzgeschichte. Oder wenigstens eine Szene. Doch kaum setzt du dich an die Tastatur, meldet sich diese gemeine Stimme in deinem Kopf: dein innerer Kritiker. „Du kannst doch gar nicht richtig schreiben!“ ruft er. Dein innerer Schweinehund gesellt sich dazu, um dich zu trösten. „Ist doch nicht so schlimm,“ sagt er. „Du musst dich erstmal warmmachen. Guck doch ein bisschen auf Reddit oder chatte mit den Leuten auf Schreibnacht. Danach sehen wir weiter.“

Und bevor du dich versiehst, ist es zu spät, noch mit dem Schreiben anzufangen. Dann eben morgen, nicht wahr…

Du brauchst einen Weg aus dieser Spirale von gnadenloser Selbstkritik und Aufschieberitis. Wie wäre es denn mit einer Schreibübung, die so einfach und bedeutungslos ist, dass dein innerer Kritiker sich nicht darum kümmert? Die aber trotzdem deine „Schreibmuskeln“ trainiert und dem inneren Schweinehund zeigt, dass Schreiben ganz einfach ist und gar nicht viel Zeit braucht?

Die Liste als Schreibübung

Eine Liste schreiben – klingt erstmal sinnlos. Doch mit ein bisschen Fantasie wird daraus nicht nur eine Schreibübung sondern sogar eine kreative Schreibübung. Und das geht so: Weiter unten findest du meine Listen-Liste mit möglichen Themen. Such dir ein Thema aus und stelle dir einen Timer für 10 Minuten. In diesen 10 Minuten schreibst du einfach drauflos, ohne weitere Vorgaben und Zwänge. Es gibt nur zwei Regeln: Denke vor dem Schreiben nicht darüber nach, was du schreiben könntest! Suche dir einfach ein Thema aus und leg sofort los. Und: setze den Stift nicht ab bzw. höre nicht auf zu tippen. Wenn dir nichts einfällt, schreib dasselbe Wort immer wieder oder bilde zusammengesetzte Wörter damit.

Hier ist sie also, die Listen-Liste:

  • Dinge, die man für einen Trip in die Unterwelt braucht
  • Dinge, die jemand auf dem Dachboden seiner Oma findet
  • Wörter, die du liebst
  • Wörter, die du hasst
  • Bücher, die du noch lesen willst
  • imaginäre Filmtitel, in denen das Wort „Zombie“ vorkommt
  • Dinge, die ein Auftragskiller in seinem Rucksack hat
  • Namen für Charaktere in einer imaginären Komödie
  • Namen für Charaktere in einem imaginären Familienepos
  • heutzutage selbstverständliche Dinge, die in 100 Jahren (wahrscheinlich) niemand mehr kennt
  • imaginäre Wörter für sehr große Zahlen (á la „Fantastillionen“)
  • Dinge, die dein Lieblingscharakter (existierend oder dein OC) in seiner/ihrer Handtasche/Umhängetasche, etc. hat
  • Dinge, die ein genialer Wissenschaftler bei Kaufland gestohlen hat

Du kannst dir natürlich auch eigene Listen ausdenken oder die Punkte auf dieser Liste nach deinem Geschmack ändern. Du wirst bemerken, dass du zuerst die offensichtlichen Dinge aufschreibst. Für den Serienkiller also so etwas wie „Pistole, Schalldämpfer, Fernglas“. Aber dann wird deine Fantasie sich einschalten. Du wirst dem Serienkiller Dinge wie „eine halbe Panflöte“ oder „herausgerissene Seite einer Doktorarbeit im Fach Physik“ in den Rucksack stecken. Und dann werden automatisch Geschichten in deinem Kopf entstehen. Enthielt die Doktorarbeit vielleicht Informationen über die Ballistik von Pistolenkugeln? Oder war es die Doktorarbeit der ersten Liebe des Serienkillers, die tragisch endete? Enthalten die Röhrchen der Panflöte ein schnell wirkendes, nicht nachweisbares Gift? Oder ist die Flöte ein Andenken an seinen Bruder, der in Lateinamerika mit dem Flugzeug abstürzte?

Sei spezifisch und lass deine Fantasie frei!

Das bringt mich zum nächsten Punkt: Sei spezifisch! Schreibe nicht „Tisch“ für die Liste der Gegenstände auf Omas Dachboden. Schreibe „Sekretär aus Walnussholz mit einer Schublade, die sich nicht öffnen lässt“. Sich solche Dinge auszudenken, erfordert etwas Übung. Aber je mehr Listen du schreibst, umso verrücktere, spezifischere Dinge werden dir einfallen.

Diese Schreibübung kannst du einmal täglich machen, oder auch mehrmals am Tag. Du kannst sie auch immer machen, bevor du „richtig“ anfängst, zu schreiben, um deine Schreibmuskeln aufzuwärmen und deine Fantasie anzukurbeln. Und wer weiß, vielleicht benutzt du einen Namen, ein Wort oder einen Gegenstand von einer deiner Listen in deiner nächsten Geschichte. Oder vielleicht ist etwas davon genau die zündende Idee, die du brauchtest, um deiner Schreibblockade zu entkommen.

So banal eine Liste auch erscheinen mag, sie kann viel für dich als Autoren tun. Schreib deine eigenen Ideen für Listen in die Kommentare!

30 Schreibtipps, die dich zu einem besseren Autoren machen

Was ist eine „gute“ Geschichte? Was kann ich tun, damit der Leser bei meiner Geschichte bleibt? Wie schreibt man Charaktere, an die der Leser sich noch lange erinnern wird?

Diese Liste der 30 Schreibtipps, die dich zu einem besseren Autoren machen, beantwortet einige dieser Fragen. Im Laufe der Zeit werde ich sie ausbauen und ergänzen. Teil deine eigenen Schreibtipps in den Kommentaren!

Der Schreibprozess und die Liebe zum Schreiben

  • Du schreibst, weil du Geschichten in dir hast, die du erzählen möchtest.
  • Du schreibst zuallererst, um zu schreiben. Nicht, um gelesen zu werden, das kommt viel später.
  • Dein erster Entwurf wird furchtbar sein. Schreib ihn zu Ende und überarbeite ihn.
  • Hab Geduld! Eine richig gute Geschichte braucht mehrere Monate, manchmal Jahre, um zu reifen und zu dem zu werden, was sie sein kann.
  • Wenn du das Gefühl hast, dass du alles überarbeitet hast, lass deine Geschichte ein, zwei Monate liegen. Du wirst überrascht sein, wie viele Fehler/Plotholes/Ungereimheiten du nach dieser Pause noch entdeckst.
  • Überarbeite deine Geschichte, bis sie richtig gut ist. Und dann, gib sie ab, schicke sie weg! Irgendwann veränderst du nämlich nur noch, statt zu verbessern.
  • Es wird immer jemanden geben, dem deine Geschichte nicht gefällt. Ignorier diese Menschen und konzentrier dich auf diejenigen, die deine Geschichte mögen.
  • Vergiss nie, dass es deine Geschichte ist. Sie bereichert dein Leben.

Schreibtechnik

  • Variiere deine Sätze. Lang oder kurz, einfach oder zusammengesetzt, mit oder ohne Einschübe.
  • Schreibe in einfacher Sprache. Deine Leser sind nicht beeindruckt, wenn du schlaue Wörter benutzt. Auch nicht, wenn du deine Sätze bis zur Unkenntlichkeit verschachtelst. Im schlimmsten Fall unterbricht das den Lesefluss und der Leser versteht nicht mehr, was in deiner Geschichte passiert.
  • verwende Adjektive und Adverbien sehr sparsam. Eines pro Substantiv bzw. Verb ist mehr als genug. Versuche stattdessen, spezifischere Substantive und Verben zu verwenden.
    Beispiele:
    • Statt „Ein großer, dicker Mann“„Ein Kerl von hundertfünfzig Kilo“.
    • Statt „‚Oh nein!‘ sagte sie laut„‚Oh nein!‘ schrie sie.“
      (Adjektive und Adverbien habe ich fettgedruckt markiert).
  • Vermeide Negative. Sie schließen nur eine einzige Sache aus, geben dem Leser aber keine Möglichkeit, sich die Situation bildlich vorzustellen.
    • Statt „Es waren keine Möbel im Raum.“„Der Holzfußboden war mit einer Staubschicht bedeckt, die an jenen Stellen dünner war, wo zuvor Möbel gestanden hatten.“
  • Sei spezifisch! Je genauer du etwas beschreibst, desto lebhafter das Bild im Kopf des Lesers. Beispiele:
    • Statt „Ein Fisch“ „Eine fette Forelle“
    • Statt „Ein Fahrrad“ „Ein klappriges Herrenrad, dessen schicker Ledersattel auffällig neu aussah.“
  • Verwirf die ersten drei Ideen zu allem. Die ersten drei Dinge, die dir einfallen, sind garantiert Klischees, weil du diese Dinge schon tausendmal gesehen, gehört und gelesen hast und sie deshalb in deinem Kopf ganz vorne sind.

Weltenbau / World Building

  • Vermeide „Informations-Lawinen“. Nichts ist langweiliger als seitenweise Erklärungen, wie deine Welt funktioniert. Ich weiß, du willst unbedingt, dass dein Leser sieht und versteht, wie wunderbar diese Welt ist, die du dir ausgedacht hast. Aber führe sie Stück für Stück ein. Gib dem Leser immer nur die Information, die er jetzt gerade braucht.
  • Recherchiere, recherchiere, recherchiere! Welt und Charaktere sollen den Leser einladen, in sie einzutauchen. Das erreichst du, indem du sie so realistisch wie möglich gestaltest. Du wirst (und solltest!) wahrscheinlich nur einen Bruchteil der recherchierten Informationen in der Geschichte verwenden, aber spezifische Begriffe und glaubwürdige Beschreibungen von Abläufen machen deine Geschichte lebendig.
    Beispiele:
    • Deine Geschichte spielt auf einem Piratenschiff. Lerne alles über die unterschiedlichen Arten von Schiffen, die Namen der Bauteile, die Titel und Aufgaben aller Besatzungsmitglieder, etc.
    • Der Planet, auf dem deine Geschichte spielt, hat drei Monde. Was bedeutet das für die Gezeiten? Welche Umlaufbahnen haben sie und wie groß und hell sind sie? Gibt es dadurch öfter eine Sonnenfinsternis, vielleicht täglich? Reicht das Mondlicht einigen Pflanzen, um nachts Photosynthese zu betreiben? Sind mehr Tiere nachtaktiv, weil es nachts recht hell ist? Oder sind die Monde so klein, dass all das keine Rolle spielt? Sind sie aus verschiedenen Mineralien aufgebaut und werden von der Bevölkerung des Planeten als Rohstoffquellen benutzt? Etc, etc…
  • Lass deine Charaktere etwas tun, was dem Leser zeigt, wie die Welt funktioniert, statt einfach zu sagen, wie sie funktioniert.
    Beispiel:
    • Statt „Eine Chemikalie in der Atmosphäre sorgte dafür, dass das Regenwasser in vielen Farben getönt war.“ „Es sah nach Regen aus. Sie musste schnell die Wäsche reinholen, sonst sähe Felix‘ weißes Hemd morgen aus, als hätte ein Einhorn daraufgekotzt.“ (Dieser Satz erfüllt auch gleich noch den Zweck, dem Leser mitzuteilen, dass es in der Welt Einhörner mit Regenbogenkotze gibt. Oder, dass die Protagonistin einen trockenen Humor hat).
  • Deine Welt, so verrückt sie auch ist, ist deinen Charakteren völlig vertraut. Schließlich leben sie in ihr. Sie würden also nicht denken, „Das hellrosa Laub bildet einen schönen Kontrast mit dem tiefdunklen Baumstamm,“ sondern vielleicht nur, „Da steht ein Baum.“ Oder gar nichts, weil sie seit Jahren im selben Haus wohnen und der Baum ihnen nicht mehr auffällt, weil er da schon immer steht. Wenn du etwas einführen willst, was für den Leser ungwohnt ist, für die Charaktere aber völlig normal, hast du zwei Möglichkeiten:
    • Es muss sich ändern („Die heftige Dürre hatte das Laub der Bäume vertrocknen lassen. Der Wald, sonst saftig rosa, war nun vollkommen hellgrau“).
    • Dein Charakter muss es auf eine Weise gebrauchen, die ihn oder sie über die Eigenschaften nachdenken lässt („Sie fragte sich, ob sie einfach ein paar Blätter von einem Baum pflücken und zerreiben konnte, um rosa Farbstoff zu bekommen“).
  • Die Welt existiert unabhängig von den Charakteren. Sie ändert sich und zwingt die Charaktere, darauf zu reagieren (Wetter, Jahreszeiten, Tektonik, etc.). Die Charaktere haben nur einen sehr kleinen Einfluss auf die Welt (soll heißen, sie ).
  • Daran anschließend: Nichts und niemand in der Geschichte kann die Naturgesetze ändern. Wenn eine große Veränderung in der Welt geschieht, muss sie sich im Rahmen der Naturgetze bewegen. Sie muss außerdem einmalig und einschneidend sein und die Charaktere zwingen, darauf zu reagieren. Benutze keine „Wunder“, weil du nicht weißt, wie du sonst die Geschichte weiterbringen sollst. Dann fühlt der Leser sich betrogen, denn er oder sie hat sich in die Welt eingelebt. Wenn du die Welt plötzlich umschmeißt, hat der Leser seine Zeit und Liebe umsonst investiert.

Charaktere

  • Deine Charaktere sollten zuerst interessant sein. Ob sie sympatisch sind, spielt eine viel kleinere Rolle (siehe z. B. Doctor House, Sherlock Holmes wie er von Benedict Cumberbatch gespielt wird, Peggy Olson in Mad Men, etc.)
  • Recherchiere, recherchiere, recherchiere! Hat dein Protagonist etwas, was sie oder ihn von der allgemeinen Bevölkerung abhebt? Dann musst du genau wissen, wie so eine Person lebt und mit welchen täglichen Herausforderungen er oder sie zu kämpfen hat. Das gilt ganz besonders, wenn du über Angehörige von Minderheiten schreibst.
    Beispiele:
    • Deine Protagonistin ist sehr groß. Geht sie leicht gebückt und mit gesenktem Kopf, um kleiner zu wirken? Oder spielt sie seit ihrer Kindheit sehr erfolgreich Basketball, ist dadurch sehr selbstbewusst und dominiert sofort jeden Raum, den sie betritt?
    • Dein Protagonist wurde mit nur einer Hand geboren, arbeitet jedoch erfolgreich als Automechaniker. Wie sieht sein Arbeitsalltag aus, welche Werkzeuge benutzt er wie? Ist er von Natur aus Linkshänder, muss aber vor allem mit rechts arbeiten? Hatte dieses Umtrainieren folgen für seine Psyche?
  • Charakterisiere deine Protagonisten indirekt und mit Hilfe ihrer Persönlichkeit, statt direkt und mit Hilfe ihres Aussehens.
    Beispiele:
    • Statt direkt: „Er war groß und athletisch gebaut“ — indirekt: „Mühelos kletterte er über den hohen Zaun und landete elegant auf der anderen Seite.“ (Dieser Satz erfüllt gleichzeitig noch die Aufgabe, den Charakter als furchtlos, impulsiv oder auch respektlos vor dem Eigentum anderer darzustellen. Welche dieser Eigenschaften es ist, sollte im Laufe der weiteren Geschichte klar werden.)
    • Statt Aussehen: „Sie war sehr gutaussehend.“ — Persönlichkeit: „Sie war immer derjenige im Raum, um die andere sich am schnellsten versammelten.“
  • Bringe nur die Eigenschaften deines Charakters ins Spiel, die in der aktuellen Szene von Bedeutung sind. Vermeide eine ausführliche Beschreibung der Charaktere am Beginn der Geschichte. Für den Leser ist es viel befriedigender, die Charaktere nach und nach kennenzulernen und eigene Schlüsse über deren Persönlichkeit zu ziehen.
  • Alles, was deine Charaktere haben oder können, müssen sie sich verdient haben. Sie mussten Zeit und Mühe investieren und Opfer bringen, um das zu erreichen, was sie haben. Dein Charakter kann nicht alles haben. Aber die Dinge, die sie oder er hat, sollten spezifisch und interessant sein.
    Beispiele:
    • Jemand, der den schwarzen Gürtel in Karate hat, Rettungschwimmer ist und einen Doktortitel in Molekularbiologie hat, hatte wahrscheinlich nie viel Zeit für Freunde und ist darum sozial etwas unbegabt.
    • Jemand mit einem großen Freundeskreis, der um die Welt jettet und bei allen Festivals dabei ist, ist akademisch wahrscheinlich keine riesige Leuchte.
  • Deine Charaktere müssen Schwächen haben. Ja, müssen. Ein Charakter, dem alles sofort gelingt, der immer alles richtig macht und immer im Recht ist, ist langweilig und unrealistisch.
  • Deine Charaktere müssen* sich im Laufe der Geschichte entwickeln. Das kann eine positive oder negative Entwicklung sein.
    Beispiele:
    • Sie lernt etwas, was sie vorher nicht konnte oder wusste. Das ist mühevoll und sie scheitert mehrmals.
    • Er muss sich im Laufe der Geschichte eingestehen, dass sein Selbstbild falsch ist und er an seiner Persönlichkeit arbeiten muss.
    • Sie traut sich etwas, wovor sie am Anfang noch große Angst hatte.
    • Er versteht nun besser, warum eine bestimmte Person so agiert, wie sie agiert. Das führt zur Versöhnung mit einem Feind oder zum Zerwürfnis mit einem Freund.
    • Sie stellt fest, dass das Leben leichter ist, wenn man eine bestimmte Sache tut oder lässt. Dadurch wird sie charakterlich, intelektuell oder körperlich schwächer.
      (*es gibt Ausnahmen. Wenn du zum Beispiel eine lange Reihe von Romanen mit derselben Hauptperson schreibst, darf er oder sie unverändert bleiben. Siehe z.B. Sherlock Holmes, Hercule Poirot, James Bond, etc. )
  • Der Tod eines Charakters muss Konsequenzen für die Geschichte und die anderen Charaktere haben. Führe einen Charakter nicht nur dazu ein, damit du ihn oder sie später als „Schocker“ umbringen kannst.
  • Umgekehrt: Hat ein Charakter seinen Zweck in der Geschichte erfüllt, lass sie oder ihn sterben, eben weil es die anderen Charaktere zwingt, ohne diese Person weiterzukommen.
    Beispiel: Sirius Black und Albus Dumbledore mussten sterben, damit Harry Potter gezwungen ist, erwachsen zu werden und seine Aufgabe aus eigener Kraft zu beenden.
  • Der Tod eines Charakters sollte unerwartet und für die anderen Charaktere (und damit den Leser) „schrecklich“ sein. Wenn ein Charaktertod vorhersehbar ist, dann müssen die Konsequenzen unvorhergesehen sein.
    Beispiel: Nach dem Tod ihres Großvaters, der lange krank war, kommt ein Testament ans Tageslicht, nachdem ihre Mutter nicht ihre wirkliche Mutter zu sein scheint.

Muss man alle Schreibregeln beachten?

So, nun habe ich dir diese Mammutliste um die Ohren gehauen. Wenn du eine oder mehrere oder alle Schreibregeln doof findest, dann ignorier sie. Nichts von alledem ist in Stein gemeißelt. Das Schreiben soll dir vor allem Freude machen. Wenn du deine Geschichte allerdings publizieren möchtest, solltest du dich zumindest grob an diesen Regeln orientieren.

Habe ich Schreibtipps vergessen? Hast du einen Tipp, der dir beim Schreiben guter Geschichten hilft? Schreib ihn in die Kommentare!